7 Tipps für den Wiedereinstieg nach der Elternzeit
Elternzeit, Familienpause, Erziehungsurlaub – wie auch immer du diese Auszeit nennst: Der Wiedereinstieg fällt vielen nicht leicht. Frühere Kolleg:innen haben sich weiterentwickelt oder sind nicht mehr im Unternehmen, Prozesse haben sich verändert und oft hat auch das eigene Selbstvertrauen gelitten. In diesem Beitrag erfährst du, wie du deinen Wiedereinstieg vorbereiten kannst, warum es sinnvoll ist, während der Elternzeit den Kontakt zum Unternehmen zu halten und welche Rechte du als Rückkehrer:in hast.
Wiedereinstieg nach der Elternzeit – alles geregelt?
Nach der Geburt eines Kindes verschieben sich häufig die Prioritäten. Viele Eltern möchten sich in der ersten Zeit ganz auf ihr Kind konzentrieren, um keinen wichtigen Moment zu verpassen. Um das zu ermöglichen, gibt es in Deutschland klare gesetzliche Regelungen: Du kannst dich nach der Geburt bis zu drei Jahre unbezahlt von deinem Arbeitgeber freistellen lassen – diese Phase nennt sich Elternzeit. Dein Arbeitgeber darf deinen Antrag darauf nicht ablehnen.
Zusätzlich kannst du während der Elternzeit Elterngeld erhalten – eine staatliche Leistung, die dich finanziell unterstützt.
Während der Elternzeit genießen Arbeitnehmer:innen einen besonderen Kündigungsschutz. So können Elternzeitnehmende nach Ende ihrer Auszeit wieder in ihr altes Unternehmen zurückkehren. Das bestehende Arbeitsverhältnis lebt dann zu den Bedingungen wieder auf, die vor der Elternzeit galten. Die einzige Einschränkung: Rückkehrer:innen haben einen Anspruch auf einen gleichwertigen Arbeitsplatz, aber nicht auf den exakt gleichen Arbeitsplatz, den sie vor der Pause besetzt haben. Auf keinen Fall dürfen sie schlechter gestellt werden als vor der Elternzeit, auch finanziell nicht. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend stellt zu den Themen Elterngeld und Elternzeit umfangreiches Material zur Verfügung und informiert ausführlich über Anträge, Fristen, Rechte und Pflichten. Lese hier deren Broschüre.
Der Kopf spielt nicht mit
Trotz all der Regelungen, Möglichkeiten und Gesetze fällt vielen Menschen der berufliche Wiedereinstieg nach der Elternzeit nicht leicht. Je länger die Auszeit war, desto schwieriger kann sich die Rückkehr ins Berufsleben gestalten. Dabei ist es nicht unbedingt der organisatorische Aufwand rund um Formulare, Fristen und Anträge, die Rückkehrer:innen Kopfzerbrechen bereiten. „Wiedereinsteiger:innen fehlt es häufig an Selbstvertrauen“, sagt Eva Psaila, Karriere-Coach am INQUA-Institut. „Du warst zwei oder drei Jahre komplett raus aus deiner Materie – und innerhalb so eines Zeitraums kann sich viel verändern.“ Kann ich meinen Job überhaupt noch? Sind meine Kolleg:innen von früher noch da? Werde ich mit dem/der neuen Vorgesetzten zurechtkommen? Solche Sorgen können zermürben.
„Nach meinem Studium war ich fünf Jahre lang ausschließlich Mama. Mein Selbstwertgefühl war nach dieser Zeit ziemlich weit unten“, sagt Karolina Baltin, ehemalige Coachee von Eva Psaila. „Wenn man arbeitet, bekommt man Lohn, ein Lob vom Chef, Anerkennung von den Kolleg:innen. Als Mutter bekommt man das nicht. Das hat mir gefehlt.“ Als sie anfing, sich nach der Elternzeit um einen Job zu bewerben, war das harte Arbeit für sie. Und zunächst kamen auch nur Absagen – das hat weiter an ihrem Selbstbewusstsein genagt. „Irgendwann kam der Moment, da habe ich mir überhaupt nichts mehr zugetraut“, sagt sie. In diesem Moment hat sich Karolina Baltin ans Arbeitsamt gewandt – dort bekam sie einen AVGS-Gutschein für ein Karriere-Coaching am INQUA-Institut.
Eine Kundin über das INQUA Karriere-Coaching nach der Elternzeit
Nach einer langen Elternzeit, ist für mich endlich die Zeit gekommen, mich beruflich neu orientieren zu müssen. Nach einer sechsjährigen Abwesenheit auf dem Arbeitsmarkt habe ich mich jedoch wie versteinert und irgendwie unsicher gefühlt. Zum Glück ist mir die Möglichkeit gegeben worden, INQUA Coaching zu absolvieren. Meine persönliche Ansprechpartnerin, Eva Psaila, hat mit mir, auf eine sehr professionelle, individuelle und zugleich sehr einfühlsame Art und Weise, mein berufliches Profil neu erarbeitet und mich für den komplexen Bewerbungsprozess vorbereitet. Ich habe mich noch nie so selbstbewusst und stark gefühlt, wie nach dem Coaching mit Eva. Ich bin mehr als begeistert!!! Eine passende Arbeitsstelle habe ich auch gleich gefunden. Danke!
Coaching zum Ende der Elternzeit
„Wenn Wiedereinsteiger:innen zu mir ins Coaching kommen, geht es meist um zwei Themen“, sagt Eva Psaila. „Zum einen eben um das Selbstbewusstsein, das müssen wir wieder aufbauen. Zum anderen geht es aber auch um praktische Sachen – wie zum Beispiel einen Lebenslauf.“ Was im ersten Moment ganz einfach klingt, kann in Wirklichkeit eine große Hürde sein. „Für mich war die Aufgabe, einen Lebenslauf zu schreiben, eine Dauerbelastung“, sagt Karolina Baltin. Im Coaching mit Eva Psaila hat sie unter anderem daran gearbeitet, ihre Bewerbungsunterlagen auf den neuesten Stand zu bringen. Schon das hat für eine große Entlastung gesorgt. Auch das Üben von Vorstellungsgesprächen im Rollenspiel ist ein wichtiger Teil des Coachings für den Wiedereinstieg.
Neben den praktischen Übungen ist die Ressourcenorientierte Genogrammarbeit für Wiedereinsteigende ein wichtiger Baustein im Coaching. Diese Methode wird am INQUA-Institut angewandt, um der familiär geprägten Biografie von Coachees auf die Spur zu kommen. „Einige Coachees haben vielleicht unbewusste Hemmungen als Mutter voll berufstätig zu sein – zum Beispiel, weil ihnen zu Hause ein anderes Frauenbild vorgelebt wurde“, sagt Eva Psaila. „Die können wir mit der Genogrammarbeit ins Bewusstsein holen und dann daran arbeiten. ‚Ich darf es anders machen als meine Mutter, als meine Großmutter‘ – das sind positive Glaubenssätze, die dabei helfen können, innere Blockaden abzubauen.“
Auszeit als Chance
Ein erfolgreicher Wiedereinstieg will vor allem eines: Gut organisiert sein. Und zwar am besten schon vor der Geburt deines Kindes. Überlege dir, wie du dir dein Elterndasein vorstellst. Möchtest du wieder in deinen Beruf einsteigen? Wenn ja: in Vollzeit oder in Teilzeit? Besprich deine Möglichkeiten mit deinem/deiner Arbeitgeber:in und überlege gemeinsam, wie du auch während deiner Auszeit den Kontakt zum Unternehmen halten kannst. „Vielleicht vereinbart ihr in regelmäßigen Abständen ein Mitarbeitendengespräch“, sagt Eva Psaila. „So bleibst du über Veränderungen in deiner Abteilung und im Unternehmen auf dem Laufenden.“ Vielleicht findest du auch Zeit für eine Weiterbildung – viele Angebote stehen inzwischen online zur Verfügung.
Die Elternzeit kann aber auch dafür genutzt werden, um sich mit grundsätzlichen Fragen auseinanderzusetzen. „Mein Rat ist, sich während der Auszeit zu fragen: Ist mein Job eigentlich der richtige für mich?“, so Eva Psaila. „In der Elternzeit ist man plötzlich mit ganz ungewohnten Aufgaben konfrontiert. Man lernt vielleicht völlig neue Seiten an sich kennen.“ Vielleicht verändern sich Bedürfnisse, vielleicht blickt man anders auf die Welt, vielleicht verschieben sich Werte. Manchmal trifft man auch einfach nur die richtige Person. „Als man mir bei der Agentur für Arbeit das Coaching vorgeschlagen hat, war ich skeptisch“, sagt Karolina Baltin. „Aber schon nach einer Stunde mit meiner Coach war ich froh, dieser Frau begegnet zu sein. Sie hat zur richtigen Zeit die richtigen Fragen gestellt – ich habe noch nie in so kurzer Zeit so viel über mich gelernt.“ Karolina Baltin hat kurz nach ihrem Coaching eine Jobzusage bekommen.
7 Tipps für einen sorglosen Wiedereinstieg
- Fang frühzeitig mit der Planung deiner Elternzeit an. Wie lange soll deine Auszeit dauern? Möchtest du sie dir mit deinem/deiner Partner:in teilen? Oder planst du mehrere Abschnitte?2.
- Besprich deinen Wiedereinstieg frühzeitig mit deinem/deiner Arbeitgeber:in – idealerweise schon vor deiner Auszeit. Wie möchtest du den Kontakt halten? Welche Weiterbildungen könnten sinnvoll sein? Welche Informationen benötigt deine Vertretung?
- Lass dir vor deiner Auszeit ein Zwischenzeugnis ausstellen. In deiner Abwesenheit kann sich vieles verändern – im Unternehmen und bei dir selbst. Es ist wichtig, dass dich jemand beurteilt, der deine Arbeit gut kennt.
- Kümmere dich rechtzeitig um die Betreuung deines Kindes für die Zeit nach deiner Rückkehr. Betreuungsplätze sind oft begrenzt und passen nicht immer zu deinen Arbeitszeiten. Eine frühzeitige Planung ist hier entscheidend.
- Halte Kontakt zum Unternehmen – aber auch zu dir selbst. Frag dich regelmäßig: Freue ich mich auf den Wiedereinstieg? Oder habe ich ein ungutes Gefühl? Das kann ein Hinweis darauf sein, dass du etwas verändern möchtest.
- Hol dir frühzeitig Unterstützung. Ein Karriere-Coaching kann dir helfen, Klarheit zu gewinnen und Selbstzweifel zu vermeiden.
- Genieße bewusst die Zeit mit deinem Kind.
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Über den Autor:

Johannes Gramß ist Diplom-Psychologe und Geschäftsführer des INQUA-Instituts. Sein Schwerpunkt liegt in der Konzeptentwicklung für Digitales Coaching mit ansprechenden, wirkungsvollen Lernarchitekturen. Er beschäftigt sich zudem mit dem Nutzen von persönlichen Ressourcen und dem Bearbeiten innerer Barrieren bei der beruflichen Neuorientierung sowie dem psychologisch geschickten Umgang bei digitalen Auswahlprozessen für Bewerbende.
