Scheitern als Chance – 5 Tipps zum Umgang mit Fehlschlägen
Die Chance grandios zu scheitern
Stell dir vor, du bist Chemiker:in und bekommst direkt nach deinem Studium einen Job in einem großen Konzern. Dein:e Chef:in gibt dir den Auftrag, einen neuen Klebstoff zu entwickeln – stärker und leistungsfähiger als alles, was es bisher gibt. Du hast Zeit und Ressourcen. Doch am Ende präsentierst du einen Klebstoff, der zwar haftet, sich aber leicht und rückstandslos wieder ablösen lässt. Kurz gesagt: Du bist grandios gescheitert.
Vielleicht erkennst du die Geschichte: Es geht um Spencer Silver, der in den 1960er Jahren bei 3M arbeitete. Sein Klebstoff war nicht die Lösung für das ursprüngliche Problem – aber er war die Antwort auf ein Problem, das noch gar nicht gestellt worden war.
Zunächst versuchte 3M, den Klebstoff für eine Pinnwand ohne Stecknadeln zu nutzen. Das Produkt floppte. Ein weiterer Fehlschlag. Erst Jahre später kam Silvers Kollege Art Fry auf die Idee, den Klebstoff für Lesezeichen zu verwenden – Zettel, die haften, ohne das Papier zu beschädigen. Das Post-it war geboren. Heute ist es aus dem Alltag kaum wegzudenken und gilt als eine der bedeutendsten Erfindungen des 20. Jahrhunderts.
Warum ist Scheitern also eine Chance?
Die Geschichte der Post-its ist kein Einzelfall. Auch Penicillin, Coca-Cola oder der Herzschrittmacher sind aus unerwarteten Ergebnissen entstanden. Gemeinsam ist all diesen Beispielen: Menschen sind an ihrer ursprünglichen Aufgabe gescheitert – haben aber im Ergebnis eine neue Möglichkeit erkannt.
Natürlich führt nicht jeder Fehler zu einer bahnbrechenden Innovation. Doch das Prinzip lässt sich auch im Kleinen anwenden: Ein Fehlschlag liefert dir Informationen. Er zeigt dir, was nicht funktioniert – und lenkt deinen Blick auf neue Wege.
Genau dieses Denken steckt hinter modernen Arbeitsmethoden wie dem „agilen Arbeiten“. Hier wird bewusst in Schleifen gearbeitet, getestet, angepasst – und auch gescheitert. Nicht als Rückschritt, sondern als Teil des Fortschritts.
Der entscheidende Unterschied liegt also nicht im Fehler selbst, sondern darin, wie du damit umgehst.
„Fail early, fail often“ – „scheitere früh, scheitere häufig“ – ist ein Leitsatz, der dieser Arbeitsweise zu Grunde liegt. Damit sollen Projektbeteiligte nicht dazu angehalten werden, bewusst Fehler zu machen. Es geht vielmehr darum, existierende Fehler in einem sehr frühen Stadium des Projekts zu entdecken, zu einem Zeitpunkt, zu dem sie noch gut händelbar sind. Das ist absolut sinnvoll, denn Fehler werden immer teurer, je später im Entwicklungsprozess sie entdeckt werden. „Agiles Projektmanagement“ bedeutet vor allem, dem Projektteam viele Gelegenheiten für Feedback einzuräumen. Und „Agile Projektarbeit“ bedeutet, Fehler nicht zu vertuschen, sondern offen anzusprechen sobald sie auffallen. Jeder Fehler, jedes Scheitern ist ein Erkenntnisgewinn auf dem Weg zum Ergebnis. Denn jeder Fehler, der im Entwicklungsprozess behoben werden kann, verbessert das Endprodukt.
Der persönliche Umgang mit dem Scheitern
Das Prinzip des „Agilen Arbeitens“ ermöglicht einen neuen, konstruktiven Umgang mit Fehlschlägen. Wenn der Zeitpunkt des Scheiterns nicht mehr als ein Ende, sondern als ein Wendepunkt einer Geschichte oder eines Projekts definiert wird, bekommen die Beteiligten die Möglichkeit, aus ihren Fehlern zu lernen. Sie werden leichter verdaulich, und das gilt sowohl für die Unternehmen, als auch für die Mitarbeiter:innen. „Scheitern ist ein Format, aus dem ich lernen kann“, sagt Birgit Rüdesheim, INQUA Karriere-Coach am Standort Berlin. „Fehler sind eine Gelegenheit, mich weiterzuentwickeln.“ Mit ihren Coachees arbeitet sie daran, einen konstruktiven Umgang mit beruflichen Rückschlägen zu entwickeln. „Ich finde es wichtig, dass die Coachees reflektieren und schauen, wie es zum Scheitern kam“, sagt sie. „Zum Reflektieren gehört auch, sich wirklich ernsthaft und liebevoll zu fragen: Wofür war das gut?“
Wer sich diese Frage stellt, kommt vielleicht auf ganz andere Gedanken und sieht Dinge, die unsichtbar bleiben, solange man sich auf das Scheitern fokussiert. Es kann ebenfalls hilfreich sein, nicht nur sich selbst, sondern andere Menschen zu fragen. „Über berufliches Scheitern reden entlastet das eigene Gefühl“, sagt Birgit Rüdesheim. „Außerdem werde ich häufig überrascht sein, wie viele Menschen ähnliche Erfahrungen gemacht haben.“ Aus dieser Erkenntnis wurde ein Prinzip beziehungsweise ein Event-Format abgeleitet, die so genannten „Fuckup Nights“. Dabei handelt es sich um Veranstaltungen, bei denen sich Menschen auf eine Bühne stellen und quasi öffentlich über ihr Scheitern berichten. Von so einer „Fuckup Night“ können sowohl die Gescheiterten als auch das Publikum profitieren.
Wie lerne ich, mit beruflichen Rückschlägen umzugehen?
Wer schon einmal versucht hat, sich das Kaffeetrinken oder das Rauchen abzugewöhnen, weiß, wie schwer es ist, liebgewonnene Laster loszuwerden. So schädlich sie auch sind. Das gilt genauso für die innere Haltung. Wer einen konstruktiven Umgang mit eigenen Fehlern lernen möchte, kann Gefahr laufen, an den eigenen Ansprüchen zu scheitern. Hierbei kann ein professionelles Karriere-Coaching unterstützen. Unsere Coaches begleiten dich mit Hilfe eines wissenschaftlich fundierten und evaluierten Prozesses dabei, einen neuen Umgang mit beruflichen Rückschlägen zu entwickeln und deine professionelle Zukunft neu zu gestalten.
5 Tipps zum Umgang mit Scheitern
- Geh in den Austausch: Zieh dich nicht zurück, sondern sprich mit anderen über das, was dir passiert ist. Besuche zum Beispiel „Fuckup Nights“ und hör dir die Erfahrungen anderer an. Das entlastet und zeigt dir: Du bist nicht allein.
- Reflektiere konstruktiv: Wie ist es zu dem Fehlschlag gekommen? Was hast du trotzdem erreicht? Welche neuen Möglichkeiten stecken darin? Hast du vielleicht sogar ein anderes Problem verhindert?
- Zieh konstruktive Schlüsse: Was hast du gelernt? Wie kannst du vermeiden, dass sich der Fehler wiederholt? Welchen blinden Fleck hast du erkannt? Und wie können andere von deinen Erkenntnissen profitieren?
- Arbeite an deiner Haltung: Versuche, Scheitern als Chance zu begreifen und diese Perspektive bewusst in dein Denken und Handeln zu integrieren.
- Hol dir Unterstützung: Ein Coaching kann dir helfen, einen konstruktiven Umgang mit Rückschlägen und Fehlern zu entwickeln und langfristig souveräner damit umzugehen.
Negative Denkmuster durchbrechen: Befreien Sie sich von Selbstzweifeln!
Soziale Kompetenzen – Soft Skills, auf die es ankommt
Mit starkem Mindset ins Vorstellungsgespräch
Podcast COACHGEFLÜSTER: Der Innere Kritiker – So hilft Ihnen Ihr Begleiter
Podcast COACHGEFLÜSTER: Das innere Team – Bessere Entscheidungen treffen
Literaturtipp:
Erik Kessels: Fast pefrekt! Die Kunst, hemmungslos zu scheitern. Wie aus Fehlern Ideen entstehen.
Über den Autor:
Dr. Martin Hertkorn ist promovierter Soziologe, Seniorcoach (DBVC) und gründete 1997 das INQUA-Institut für Coaching in Berlin. Als Coach und Leiter des INQUA-Instituts ist er Experte für die Methodik, den Aufbau und die stetige Weiterentwicklung des Karriere-Coachings. Die von ihm entwickelten Methoden High Profiling® und die Ressourcenorientierte Genogrammarbeit stellen bis heute die zentralen Bausteine des INQUA Karriere-Coachings dar.