Aktualisiert:11.06.2026
Veröffentlicht:22.09.2022
Lesezeit:8 Min

Autor:in: Johannes Gramß

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Soziale Kompetenzen – Soft Skills, auf die es ankommt

Stellenanzeigen lesen sich häufig so: „Du möchtest Teil unseres Teams werden? Wir freuen uns auf deine Bewerbung, wenn du Folgendes mitbringst: ausgezeichnete Fachkompetenz, Teamfähigkeit, Kommunikationsfähigkeit, Empathie, Durchsetzungsvermögen und Leidenschaft für dein Thema.“ Neben dem lockeren Schreibstil und der Ansprache per Du, zu der viele Unternehmen inzwischen übergegangen sind, fällt in diesem Beispiel auf, dass Fachkompetenz zwar in ausgezeichnetem Maß vorhanden sein soll, aber relativ schnell abgefrühstückt wird. Viel mehr Aufmerksamkeit kommt den so genannten Soft Skills zu, denn diese werden Unternehmen zunehmend wichtiger. Gerade soziale Kompetenzen sind Schlüsselqualifikationen für die unterschiedlichsten Bereiche und Positionen.

Was sind soziale Kompetenzen?

Die sozialen Kompetenzen – eine Kategorie der so genannten Soft Skills – sind im Berufsleben diejenigen Fähigkeiten, die es uns neben unseren Fachkompetenzen ermöglichen, effektiv mit anderen Menschen zusammenzuarbeiten. Das können Teamfähigkeit, Kommunikationskompetenz oder Durchsetzungsvermögen sein. Manchmal ist auch interkulturelle Kompetenz, konstruktive Gesprächsführung oder Eigeninitiative gefragt. Die Liste lässt sich unendlich erweitern. Welche besonderen Fähigkeiten jeweils gefordert werden, hängt von verschiedenen Faktoren ab, die unmittelbar mit der zu besetzenden Stelle, den dazugehörigen Aufgaben oder auch dem Einstiegs-Level zu tun haben. So werden von einer Führungskraft andere soziale Kompetenzen erwartet als von einer Auszubildenden, von einer Senior-Mitarbeiterin im Direktvertrieb andere als von ihrem Senior-Kollegen aus dem Controlling.

Es gibt soziale Kompetenzen, die sich direkt auf unseren Umgang mit anderen Menschen beziehen. Dazu gehören Kritik- oder Konfliktfähigkeit, Menschenkenntnis und selbstverständlich Teamfähigkeit, der Klassiker im geforderten Kompetenzkanon. Andere soziale Kompetenzen betreffen den Umgang mit uns selbst, so zum Beispiel Selbstdisziplin, Selbstwahrnehmung oder die Fähigkeit zur Selbstreflexion. Mittelbar haben auch diese Kompetenzen Einfluss auf unsere Zusammenarbeit mit anderen: Wer dazu in der Lage ist, sich selbst zu motivieren und diszipliniert die eigenen Aufgaben abzuarbeiten, wird als zuverlässige:r Kolleg:in entscheidend zum Arbeitsergebnis des Teams beitragen. Und wer selbstreflektiert die eigenen Anteile an Konflikten erkennen und benennen kann, wird in kritischen Situationen eher zu einer konstruktiven Lösung finden als eine Person, die das weniger gut kann. Höre hierzu auch unseren Podcast Softskill: Lebenserfahrung – Karrierewechsel mit 50 plus.

Welche sozialen Kompetenzen gehören in eine Bewerbung?

Wenn du eine Bewerbung verfasst, ist das Anschreiben der richtige Ort, um deinen sozialen Kompetenzen Raum zu geben. Der Lebenslauf hingegen ist deinen fachlichen Qualifikationen vorbehalten – also Abschlüssen, Weiterbildungen, Sprachkenntnissen und Ähnlichem.

Wenn du über deine sozialen Kompetenzen schreibst, mach dir bewusst, warum das so wichtig ist: Hier zeigst du dich als individuelles Profil. Dein persönlicher Mix aus sozialen Eigenschaften ist es, der dich von anderen Kandidat:innen unterscheidet.

Personaler:innen können aus deinem Anschreiben bereits ableiten, ob du ins Team passt. Denn viele Unternehmen verfolgen den Grundsatz: Fehlendes Wissen lässt sich vermitteln – entscheidend ist, dass du zur Unternehmenskultur passt.

Soziale Kompetenzen Bewerbung

Wenn du über deine sozialen Kompetenzen nachdenkst, tu das immer im Hinblick auf die ausgeschriebene Stelle. Frag dich: Welche meiner Kompetenzen sind für diesen Job besonders wichtig? Womit kann ich besonders überzeugen? Wenn du dich zum Beispiel bei einem Start-up bewirbst, kann dein Pragmatismus ein entscheidender Vorteil sein – denn in jungen Unternehmen fehlen oft noch klare Prozesse und Rollenverteilungen. Das könnte im Anschreiben so formuliert sein: „Dank meiner Hands-on-Mentalität erkenne ich, was zu tun ist, und gehe Aufgaben selbstständig sowie lösungsorientiert an.“

Um deine sozialen Fähigkeiten direkt im Anschreiben zu belegen, solltest du sie – kurz und prägnant – mit konkreten Beispielen verknüpfen: In welcher Situation hast du besondere Empathie gezeigt? In welchem Projekt hat dir deine Konfliktfähigkeit geholfen? Oder wo wird deine Teamfähigkeit sichtbar? Sei dabei ruhig kreativ – es geht um dich als Individuum. Das ist deine Chance, dich von anderen Kandidat:innen mit ähnlichen Lebensläufen und Ausbildungswegen abzuheben.

Gibt es gute und schlechte soziale Kompetenzen?

Das Werte- und Entwicklungsquadrat, ein Modell von Friedemann Schulz von Thun, Nicolai Hartmann und Paul Helwig, veranschaulicht diese Balance zwischen einer sozialen Kompetenz und ihrem jeweiligen Gegenwert. Es macht Wertvorstellungen und persönliche Maßstäbe sichtbar und hilft dabei, diese in einem dynamischen Gleichgewicht zu halten. Das Schlüsselwort ist dynamisch, denn je nach Situation ist vielleicht auch einmal das extremere Verhalten angebracht. Das heißt: Übermut ist nicht per se schlecht. Manchmal kann – selbst für eine vorsichtige Person – Übermut das Mittel der Wahl sein. Zum Beispiel wenn so schnell eine Entscheidung getroffen werden muss, dass übliche Prozesswege nicht eingehalten werden können. Wichtig ist, dass das extreme Verhalten nicht zur Regel wird, sondern das Ergebnis einer bewussten Entscheidung ist, die für den jeweiligen Moment getroffen wird.

Lassen sich soziale Kompetenzen (weiter)entwickeln?

Outlook With Telescope On chart

Trotz Neigungen und Präferenzen in der Ausprägung unserer Kompetenzen, können auch weniger stark ausgeprägte Kompetenzen weiterentwickelt werden.

Das Wort „Entwicklung“ steckt schon im Namen des Modells, und das ist auch das Ziel: Es geht darum, die eigenen Handlungsspielräume zu erweitern, zu entwickeln. „Wir haben zwar alle Neigungen und Präferenzen in der Ausprägung unserer Kompetenzen, können aber auch weniger stark ausgeprägte Kompetenzen durchaus weiterentwickeln“, sagt Gudula Brammer. „Das heißt nicht, dass Sie ein anderer Mensch werden sollen, sondern dass Sie einfach versuchen mehr Handlungsspielräume zu erhalten und so viele Potenziale wie möglich ausschöpfen.“ Im Karriere-Coaching arbeitet die INQUA Expertin mit ihren Klient:innen an deren Entwicklungsrichtung und nutzt dazu unter anderem auch das Werte- und Entwicklungsquadrat, weil es das Spannungsverhältnis sichtbar macht, in dem sich die Coachees häufig bewegen.

Ein weiteres wichtiges Werkzeug, das auch Gudula Brammer in der Arbeit an den sozialen Kompetenzen einsetzt, ist das Kompetenzprofil High Profiling®. Dabei handelt es sich um ein biografieorientiertes Reflexions-Tool, das am INQUA-Institut eigens entwickelt wurde. Dieses Tool unterstützt Coachees nicht nur dabei, eine breitere Kenntnis über die eigenen sozialen und fachlichen Kompetenzen zu gewinnen. Sie erkennen auch, in welchen Lebensphasen und Situationen sie diese bereits gezeigt und erfolgreich angewandt haben. Diese Erkenntnisse unterstützen sie im Entwicklungsprozess, stärken ihr Selbstbewusstsein und liefern wertvolle Argumente für die unterschiedlichen Phasen im Bewerbungsprozess.

Übrigens: Während der Arbeitssuche können die Kosten für ein AVGS-Coaching durch einen Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein zu 100 % von der Agentur für Arbeit bzw. dem Jobcenter übernommen werden.

Über den Autor:

Johannes Gramß
Johannes Gramß

Johannes Gramß ist Diplom-Psychologe und Geschäftsführer des INQUA-Instituts. Sein Schwerpunkt liegt in der Konzeptentwicklung für Digitales Coaching mit ansprechenden, wirkungsvollen Lernarchitekturen. Er beschäftigt sich zudem mit dem Nutzen von persönlichen Ressourcen und dem Bearbeiten innerer Barrieren bei der beruflichen Neuorientierung sowie dem psychologisch geschickten Umgang bei digitalen Auswahlprozessen für Bewerbende.

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