Aktualisiert:14.08.2026
Veröffentlicht:02.12.2020
Lesezeit:8 Min


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Ehrenamt für die Karriere nutzen

in Ehrenamt neben der Jobsuche verbindet das Gute mit dem Nützlichen

Freiwilliges Engagement wirkt sich nicht nur positiv auf deine Berufsbiografie aus. Wenn du arbeitslos bist und dich ehrenamtlich engagierst, kann dich das auch aktiv bei deiner Jobsuche unterstützen. Soziale Tätigkeiten sind sinnstiftend und fördern zugleich deine berufliche Entwicklung. Erfahre, wie du ein Ehrenamt gezielt für deine berufliche Zukunft nutzen kannst und welche Synergien im Karriere-Coaching entstehen.

Zweifelsohne spielt ehrenamtliches Engagement eine zentrale Rolle für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und das Gemeinwohl. Rund ein Drittel der Bevölkerung engagiert sich freiwillig – sei es in der Unterstützung von obdachlosen oder hilfsbedürftigen Menschen, bei der Feuerwehr, in Sport- oder Tierschutzvereinen, in der Hausaufgabenhilfe, bei der Integration von Geflüchteten oder in der Begleitung älterer und kranker Menschen. Ohne diesen Einsatz wäre unsere Gesellschaft deutlich weniger stabil und leistungsfähig.

Doch ab wann spricht man eigentlich von einem Ehrenamt? Fünf Kriterien sind dabei entscheidend: Die Tätigkeit kommt anderen zugute, sie erfolgt freiwillig, wird regelmäßig ausgeübt, ist organisatorisch eingebunden und vor allem unentgeltlich. Denn finanzielle Aspekte stehen hier nicht im Vordergrund. Viele Ehrenamtliche erhalten – wenn überhaupt – lediglich eine geringe Aufwandsentschädigung, die durch entsprechende Freibeträge meist steuer- und sozialabgabenfrei bleibt. Der Verein ist dabei die häufigste, wenn auch nicht die einzige Organisationsform für ehrenamtliches Engagement.

Altruistisch UND gesund egoistisch

Der Wunsch, anderen zu helfen, muss keineswegs ausschließlich selbstlos sein. Als „Stütze der Gesellschaft“ dürfen Ehrenamtliche durchaus auch eigene Interessen bedienen. Die Motive für ehrenamtliche Arbeit reichen von der Stärkung des eigenen Selbstwertgefühls durch Anerkennung und Ansehen über Wissenserweiterung und den Erwerb von Qualifikationen bis hin zum Durchsetzen eigener Idee und Einflussnahme. Wer ehrenamtlich etwas bewegt, sorgt für mehr soziale Gerechtigkeit und übernimmt dabei eine Vorbildfunktion. Freiwillige Helfer:innen gewinnen persönliche Beziehungen und neue Kontakte. Ihr Engagement darf Spaß machen und den eigenen Alltag bereichern. Und schließlich kann es den Wunsch nach beruflicher Veränderung wecken oder führt gar unmittelbar aus der Arbeitslosigkeit in den Traumjob. Es macht also durchaus Sinn, ein Ehrenamt neben der Jobsuche auszuüben und sein soziales Engagement für die Karriere zu nutzen.

Ehrenamtliche Arbeit als Schritt zum Traumjob

Ein Ehrenamt belegt die wertvolle Kompetenz der Einsatzbereitschaft. Nicht nur freuen sich Unternehmen über engagierte, hilfsbereite Mitarbeiter:innen, immer mehr erwarten sie diese Soft Skills sogar von ihrem Team. Das sogenannte Corporate Volunteering ist in Mode und ermuntert die Mitarbeitenden zum Dienst an der Gemeinschaft. Auch der Arbeitgeber handelt dabei nicht ganz uneigennützig, schließlich fördert soziales Engagement das Firmen-Image. Ein Ehrenamt neben der Jobsuche ist besonders karrierefördernd, wenn es im Zusammenhang mit dem Beruf oder der Traumstelle steht. Beispielsweise kann durch die Mitarbeit bei Interessenverbänden ein inhaltlicher Bezug entwickelt und genutzt werden. Das muss aber nicht sein. Ein Ehrenamt ist grundsätzlich ein wichtiger Punkt im Lebenslauf. Besteht dazu noch eine Verbindung zur angestrebten Stelle, erwähne diesen Pluspunkt bereits im Anschreiben und weise im Vorstellungsgespräch beiläufig darauf hin. Möglicherweise gibt es als Alleinstellungsmerkmal unter den Mitbewerber:innen den Ausschlag für deinen Erfolg. Doch wo platziere ich mein soziales Engagement genau? Die Einordnung im Lebenslauf erfolgt unter den Abschnitten Ausbildung und Berufserfahrung und sollte wie die anderen Daten Auskunft über Zeitraum, Titel, Arbeitgeber und Arbeitsort einschließlich einer kurzen Tätigkeitsbeschreibung geben. Dabei wird empfohlen maximal zwei Ehrenämter zu erwähnen, sonst entsteht beim Arbeitgeber der Eindruck, dass du dich überforderst und dem Aufwand einer Vollzeitstelle nicht gerecht werden könnten. Es sei denn, du bist über längere Zeit arbeitslos, dann sind auch mehrere Ehrenämter ein prima Joker! INQUA Karriere-Coach Sabine Letzner weiß aus ihrer Praxis von den Vorteilen des gemeinnützigen Engagements, nicht nur für jüngere Arbeitssuchende, sondern speziell für ältere. In einem Interview zum Bewerbungstraining für Jobsuchende 50+ motiviert sie: „Ein Ehrenamt kann dir so viel bringen: Berufserfahrung, Kontakte, Selbstbewusstsein und die Lücke im Lebenslauf wird gefüllt.“

Turbozündung fürs Karriere-Coaching

Hilfreich ist ein Ehrenamt auch im Rahmen eines Karriere-Coachings. Deine freiwillige Tätigkeit wird im Kompetenzprofil  High Profiling® berücksichtigt und liefert wertvolle Hinweise auf deine Persönlichkeit sowie deine fachlichen und sozialen Kompetenzen.

Auch wenn du noch kein konkretes Engagement ausübst und erst eine grobe Vorstellung hast, können entsprechende Überlegungen im Karriere-Coaching zur wichtigen Orientierung beitragen: Du möchtest dich (übergangsweise) freiwillig engagieren – doch wo und wie kannst du deine Stärken, Interessen und Werte sinnvoll einbringen? Und spricht dich eine Option wirklich an oder bleibt es bei einer vagen Idee?

Die Antworten auf diese Fragen lassen sich häufig direkt auf deine beruflichen Möglichkeiten übertragen und können neue Perspektiven für deine Zukunft eröffnen.

Ehrenamt in Pandemie-Zeiten

Die Corona-Pandemie hat das ehrenamtliche Engagement vor besondere Herausforderungen gestellt und gleichzeitig deutlich gemacht, wie wichtig freiwillige Unterstützung ist. Einrichtungen, Vereine und Institutionen in deiner Nachbarschaft sind auf Hilfe angewiesen und freuen sich über dein Engagement. Auf kommunalen Plattformen oder in Netzwerken von Gemeinden findest du zahlreiche Möglichkeiten, dich einzubringen. Auch wenn Ehrenamt oft von persönlichem Austausch lebt, gibt es inzwischen viele Wege, dich flexibel – etwa im Homeoffice – zu engagieren.

Anerkennung garantiert

Die Freude, die du durch dein Engagement anderen schenkst, das Wissen, das du weitergibst und selbst erweiterst, sowie die Kontakte und Freundschaften, die dabei entstehen, sind von unschätzbarem Wert. Diese Erfahrungen lassen sich nicht in Geld messen. Und doch wird Engagement gewürdigt: Jedes Jahr am 5. Dezember findet der Internationale Tag des Ehrenamts statt – ein Anlass, um freiwilligen Helfer:innen zu danken und die gesellschaftliche Bedeutung dieses Einsatzes hervorzuheben.

Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass ehrenamtliches Engagement tief verwurzelt ist: Bereits 1808 stärkte die preußische Regierung die Mitgestaltungsmöglichkeiten der Bürger:innen, wodurch erste Vereinsstrukturen entstanden – ein Modell, das bis heute Bestand hat.

Oder, um es mit Mahatma Gandhi zu sagen: „Du musst selbst zu der Veränderung werden, die du in der Welt sehen willst.“ Dieser Gedanke lässt sich nicht nur auf gesellschaftliches Engagement übertragen, sondern auch auf deinen eigenen beruflichen Weg. Vielleicht eröffnet dir dein Engagement neue Perspektiven und bringt dich deiner beruflichen Erfüllung näher. Dein/deine INQUA Karriere-Coach unterstützt dich gerne dabei, Klarheit zu gewinnen und deine Möglichkeiten auszuloten. Viel Erfolg!

Über den Autor:

Dr. Martin Hertkorn
Dr. Martin Hertkorn

Dr. Martin Hertkorn ist promovierter Soziologe, Seniorcoach (DBVC) und gründete 1997 das INQUA-Institut für Coaching in Berlin. Als Coach und Leiter des INQUA-Instituts ist er Experte für die Methodik, den Aufbau und die stetige Weiterentwicklung des Karriere-Coachings. Die von ihm entwickelten Methoden High Profiling® und die Ressourcenorientierte Genogrammarbeit stellen bis heute die zentralen Bausteine des INQUA Karriere-Coachings dar.

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