23.04.2024
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Assessment-Center Übungen: In 7 Tagen fit für deinen Erfolg

Du hast eine Einladung zu einem Assessment-Center erhalten? Herzlichen Glückwunsch! Ganz offenbar konntest du das Unternehmen, bei dem du dich beworben hast, bereits von deinen fachlichen Qualifikationen überzeugen. Im Assessment-Center (AC), insbesondere im Gruppen-AC, möchte das Unternehmen nun herausfinden, welche:r Kandidat:in am besten zur ausgeschriebenen Position passt. Dabei werden vor allem deine sozialen und methodischen Fähigkeiten sowie deine Führungskompetenzen genauer betrachtet. Ein weiteres zentrales Kriterium ist deine Motivation und deine Passung zum Unternehmen – der sogenannte Cultural Fit.

Die Konzeption, Planung, Durchführung und Auswertung eines Assessment-Centers ist ein aufwändiger und kostspieliger Prozess. Darum wird das Verfahren vor allem bei der Besetzung von Stellen mit hohen Anforderungen an die soziale Kompetenz der Kandidat:innen eingesetzt. Gerade im Verkauf oder in der Führung macht die richtige Besetzung einen wesentlichen Unterschied für den Erfolg des Unternehmens. Wenn du mehr darüber erfahren möchtest, wie Assessment-Center entwickelt werden und welche Bedeutung sie für Unternehmen haben, solltest du dir unbedingt die Folge des Podcast COACHGEFLÜSTER zu diesem Thema anhören.

 

BE PREPARED Notiz auf Post-it

Wenn sich bei dir nun – neben der Freude über die Einladung – ein Gefühl von Nervosität einstellt, ist das absolut verständlich. Vielleicht befürchtest du, deine Fähigkeiten nicht optimal präsentieren zu können. Oder du findest die Vorstellung unangenehm, unter Beobachtung Aufgaben zu lösen. Das ist nachvollziehbar – und lösbar. Wie so oft ist eine gute Vorbereitung der Schlüssel zum Erfolg. Wir haben Assessment-Center-Übungen für dich zusammengestellt, die dich innerhalb von sieben Tagen gezielt auf deinen Termin vorbereiten.

 

Tag 1: Analyse der Stellenausschreibung

Beginne mit einer sorgfältigen Analyse der Stellenbeschreibung. Lies dir den Text durch und überlege dir, welche Anforderungen eine Person erfüllen muss, die diese Stelle besetzt. Vielleicht hilft es dir, dir dazu einen konkreten Arbeitstag in der ausgeschriebenen Position vorzustellen. Außerdem können dir Leitfragen helfen wie:

  • Welche kritischen Situationen sind in dieser Stelle zu bewältigen?
  • Welche Frustrationen muss ich eventuell aushalten?
  • In welchen Rollen muss ich agieren?
  • Welche Aufgaben sollten mir sehr leicht von der Hand gehen – weil sie zum Tagesgeschäft gehören und regelmäßig anfallen werden?
 

Wenn du die Antworten notiert hast, gehe einen Schritt zurück und leite aus deinen Überlegungen ab, welche Kompetenzen für diese Stelle besonders relevant sind. Dabei können dir die Ressourcen des Kompetenzprofils High Profiling® des INQUA-Instituts oder der Kompetenzatlas von Erpenbeck eine gute Unterstützung sein. Stelle dir im nächsten Schritt vor, auf welche Weise du im Assessment-Center am besten zeigen kannst, dass du die erforderlichen Kompetenzen besitzt. Im AC werden zur Sichtbarmachung von Kompetenzen bestimmte Standardformate eingesetzt. Mit diesen Formaten beschäftigen wir uns am Tag zwei deiner Vorbereitung.

 

Tag 2: Assessment-Center Übungen durchspielen

Am zweiten Tag deiner Vorbereitung geht es darum, die Präsentation deiner Kompetenzen gezielt zu üben. Dafür stellst du dir eigene Assessment-Center-Übungen zusammen. Im AC werden zur Sichtbarmachung von Kompetenzen typischerweise folgende Formate eingesetzt:

  • Rollenspiel
  • Gruppendiskussion
  • Präsentation und Befragung
  • Case Studies
  • Psychologische Tests

Überlege für jedes dieser Formate, welche deiner Kompetenzen du auf welche Weise sichtbar machen kannst. Nehmen wir zur Veranschaulichung das Rollenspiel: Wenn eine deiner Stärken beispielsweise deine Problemlösungsfähigkeit ist, frage dich, wie du diese in einem Mitarbeitergespräch, einem Konfliktgespräch oder einem Verkaufsgespräch konkret zeigen kannst.

Im Format Gruppendiskussion werden häufig aktuelle Themen aus dem Unternehmen aufgegriffen. Für deine Vorbereitung lohnt es sich daher, die neuesten Pressemeldungen zu analysieren oder Diskussionen in sozialen Medien zu verfolgen. So kannst du ableiten, welche Themen das Unternehmen aktuell beschäftigen. Entwickle daraus mögliche Fragestellungen und bereite deine Argumente vor – immer mit dem Ziel, deine Kompetenzen sichtbar zu machen.

Nutze bei der Vorbereitung auch KI-Tools wie ChatGPT, um realistische Aufgabenstellungen zu entwickeln und deine Antworten zu trainieren. So arbeitest du dich systematisch durch alle Formate und entwickelst passende Übungen. Am Ende von Tag zwei solltest du ein klares Bild davon haben, welche Aufgaben dich im Assessment-Center erwarten können.

 

 

Assessment-Center Gruppenübung

Tag 3: Die Perspektive der Beobachter:innen

Stelle dich darauf ein, dass während des Assessment-Centers mehrere Beobachter:innen im Raum sind, die kontinuierlich Notizen machen. Deine Aufgabe als Kandidat:in besteht darin, diese Beobachtungsbögen mit deinem Verhalten zu „füttern“. Je klarer du dir darüber bist, welche Dimensionen bewertet werden, desto gezielter kannst du dein Verhalten darauf ausrichten. Typische Beobachtungsdimensionen sind beispielsweise:

  • Führungsanspruch
  • Initiative
  • Umgang mit Emotionen (eigene und die der anderen)
  • Stressresistenz
  • Kreativität
  • Konfliktbewältigung

Die zentrale Herausforderung im Assessment-Center besteht darin, möglichst viele dieser Dimensionen aktiv zu zeigen. Gehe dafür die Übungen durch, die du an Tag zwei vorbereitet hast, und überlege dir für jede Übung:

  • Welche Dimensionen sind hier besonders relevant?
  • Mit welchem konkreten Verhalten kannst du diese sichtbar machen?

Reflektiere dabei auch ehrlich: Welche Verhaltensweisen fallen dir leicht? Und in welchen Bereichen musst du bewusster agieren?

Ziel ist es, dass du am Ende von Tag drei über ein klares Verhaltensrepertoire verfügst, auf das du situativ zugreifen kannst – um möglichst viele Facetten deiner Persönlichkeit und Kompetenz sichtbar zu machen.

 

Tag 4: Unternehmenskultur verstehen

Im Assessment-Center geht es darum, die:den am besten passenden Kandidat:in auszuwählen. Deshalb ist es entscheidend, dass du möglichst viel über die Unternehmenskultur herausfindest – denn so kannst du dein Verhalten gezielt darauf ausrichten.

Frage dich: Welche Werte vertritt das Unternehmen – nach außen und nach innen? Arbeitest du in eher hierarchischen oder agilen Strukturen? Ist das Unternehmen konservativ geprägt oder innovationsgetrieben? Steht ein Kulturwandel an – und wenn ja, in welche Richtung entwickelt sich dieser?

Deine Aufgabe an Tag vier besteht darin, dich bewusst auf die Kultur des Unternehmens einzustimmen. Suche gezielt nach Gemeinsamkeiten zwischen deinen eigenen Wertvorstellungen und denen des Unternehmens. Überlege, was konkret dafürspricht, in diesem Umfeld zu arbeiten, und verankere diese Perspektive für dich.

Ziel ist es, dein Verhalten im Assessment-Center so auszurichten, dass es zur gelebten Kultur passt. So erhöhst du deine Chancen, als passende:r Kandidat:in wahrgenommen zu werden. Ob das Unternehmen langfristig wirklich zu dir passt, entscheidest du anschließend – mit klarem Blick und auf Basis deiner eigenen Kriterien.

Tag 5: Üben, üben, üben

Jetzt ist es an der Zeit, aktiv zu werden. Beziehe Freund:innen in deine Vorbereitung ein – für Kurzpräsentationen, Gruppendiskussionen oder Rollenspiele. Im Assessment-Center geht es weniger um perfekt einstudiertes Verhalten, sondern vielmehr darum, wie du als Persönlichkeit wirkst: Wie trittst du auf? Wie strukturierst du deine Gedanken? Wie gehst du in Kontakt mit anderen? Sollten deine Präsentationsfähigkeiten noch nicht voll ausgeprägt sein, ist das kein Ausschlusskriterium. Unternehmen investieren gezielt in Trainings. Entscheidend ist dein Potenzial und deine Entwicklungsperspektive. Bereite dich gezielt auf kritische Gesprächssituationen vor – etwa Mitarbeitendengespräche, Konfliktgespräche oder Verkaufsgespräche. Bitte eine vertraute Person, diese Szenarien mit dir durchzuspielen, und zeichne dich dabei per Video auf. So erhältst du wertvolle Einblicke in deine Wirkung. Beachte dabei den Zeitrahmen: Im Assessment-Center sind Gespräche oft auf weniger als zehn Minuten begrenzt. Übe daher mit Timer und achte darauf, alle Phasen eines Gesprächs strukturiert zu durchlaufen. Die Praxis ist der Schlüssel zum Erfolg. Durch wiederholtes Üben gewinnst du Sicherheit, Klarheit und Souveränität – genau die Faktoren, die im Assessment-Center den Unterschied machen.

 

 

Ideen generieren im Team

Tag 6: Reflexion und Feinabstimmung

An Tag sechs geht es um eine selbstkritische Bewertung deiner Übungsleistungen. Setze dazu die „Brille“ der Beobachter:innen auf und schaue dir deine Videoaufzeichnungen vom Vortag an. Nutze dafür die Dimensionen aus Tag drei und stelle dir gezielt folgende Fragen:

  • Zeigst du das gewünschte Verhalten in den relevanten Dimensionen?
  • Stimmen deine Selbstwahrnehmung und die Außenwirkung überein?
  • An welchen Stellen kannst du dich noch verbessern?
  • Worauf solltest du im Assessment-Center besonders achten?

Variiere dein Verhalten so lange, bis du den Eindruck hast, dass es sowohl zur Unternehmenskultur als auch zu deiner Persönlichkeit passt.

 

Tag 7: Entspannung und mentale Vorbereitung

Der letzte Tag vor dem Assessment-Center sollte der Entspannung und mentalen Vorbereitung gewidmet sein. Vermeide es, nach neuen Informationen zu suchen oder dich zusätzlichem Stress auszusetzen. Konzentriere dich stattdessen auf deine positive Grundhaltung und stelle dich geistig auf den bevorstehenden Tag ein. Hier können dir zum Beispiel entspannende Aktivitäten dabei helfen, gelassen und fokussiert zu bleiben. Lasse dir die vorbereiteten Antworten und Szenarien noch einmal durch den Kopf gehen und bereite auch Smalltalk-Themen vor, die du im Gespräch mit den Kandidat:innen und den Beobachter:innen aufgreifen kannst.

 

Entspannung und mentale Vorbereitung
Entspannung und mentale Vorbereitung

Der Tag des Assessment-Centers

Dein großer Tag ist da. Gehe das Assessment-Center mit einer klaren Vorstellung von deiner Strategie und deinen Zielen an. Frage nach, wenn dir eine Übung unklar ist oder du zum Beispiel nicht weißt, vor wem du die Kurzpräsentation halten sollst oder welche Rolle du einnehmen sollst. Versuche, alle im Blick zu behalten, und nimm Augenkontakt auf. Klinke dich nicht aus Gesprächen aus, wenn ein:e andere:r Kandidat:in die Ellenbogen ausfährt und sich aufspielt, sondern denke auch in so einer Situation daran, dass du die Bewertungsbögen der Beobachter:innen mit deinem Verhalten „füttern“ willst. Nutze also jede Gelegenheit, um deine Eignung für die Position zu demonstrieren.

Ein Assessment-Center ist per se eine kompetitive Veranstaltung, denn du stehst mit den anderen Teilnehmenden in Konkurrenz um dieselbe Stelle. Es ist wichtig, dass du in diesem Umfeld flexibel reagierst und verschiedene Rollen situativ einnimmst – vor allem, wenn eine oder zwei Personen sich besonders dominant verhalten. Gehe immer davon aus, dass du in einem AC in so eine Situation kommst – und dass ein solches Verhalten nicht durchgehend positiv bewertet wird. Deine Rolle kann dann darin bestehen, auf die Metaebene zu gehen und zum Beispiel dafür zu sorgen, dass die Stimmen der anderen Kandidat:innen gehört werden.

Mit dieser umfassenden Vorbereitung bist du bestens gerüstet, um im Assessment-Center zu glänzen und die Beobachter:innen von deiner Eignung für die Position zu überzeugen. Wir wünschen dir viel Erfolg!

 

 

 

Über den Autor:

Johannes Gramß
Johannes Gramß

Johannes Gramß ist Diplom-Psychologe und Geschäftsführer des INQUA-Instituts. Sein Schwerpunkt liegt in der Konzeptentwicklung für Digitales Coaching mit ansprechenden, wirkungsvollen Lernarchitekturen. Er beschäftigt sich zudem mit dem Nutzen von persönlichen Ressourcen und dem Bearbeiten innerer Barrieren bei der beruflichen Neuorientierung sowie dem psychologisch geschickten Umgang bei digitalen Auswahlprozessen für Bewerbende.

Weitere Links zum Thema: 

Blogbeitrag:

Ihre persönlichen Ressourcen erkennen und stärken – Der Ressourcenbaum als Coaching-Methode

Podcast-Folgen COACHGEFLÜSTER:

Assessment-Center-Vorbereitung: Tipps vom AC-Entwickler

Fit für die Gehaltsverhandlung im Vorstellungsgespräch (mit Rollenspiel)

 

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