Richtig netzwerken online und offline – unsere Top-10-Tipps
„Den Job hat er doch nur durch Vitamin B bekommen!“ Kommt dir dieser Satz bekannt vor? Oft wird er leicht abwertend formuliert – dabei ist der Gedanke dahinter durchaus nachvollziehbar. Versetz dich einmal in die Rolle einer:eines Personalverantwortlichen: Würdest du eher einer Person den Vorzug geben, deren Namen du zum ersten Mal liest, oder jemandem, der dir von einer vertrauenswürdigen Kontaktperson als kompetent und zuverlässig empfohlen wurde? Genau darin liegt der Kern – und genau deshalb ist Netzwerken so entscheidend.

1. Überblick verschaffen
In unserem Karriere-Coaching empfehlen wir dir, eine Netzwerkübersicht zu erstellen – ganz klassisch mit Papier und Stift. Dafür gibt es eine strukturierte Vorlage, die dich dabei unterstützt. Du kannst dir aber auch mit einer einfachen Liste einen Überblick verschaffen: Wer gehört bereits zu deinem Netzwerk? Welche Position haben deine Kontakte und bei welchen Arbeitgebern sind sie tätig? Und wie könnten dir diese Kontakte perspektivisch weiterhelfen? Denn beim Netzwerken gilt: Du startest nie bei null.
Zu deinem bestehenden Netzwerk zählen nicht nur frühere Kontakte aus Studium, Ausbildung oder beruflichen Stationen. Auch dein erweitertes privates Umfeld kann wertvoll sein – etwa Familienmitglieder, deren Partner:innen, Nachbar:innen oder Menschen aus deinem Sportverein. Notiere zunächst alle Personen, die dir einfallen. Indem du auch Kontakte einbeziehst, die nicht direkt aus deinem beruflichen Kontext stammen, eröffnest du dir neue Perspektiven und erweiterst deinen Blick auf mögliche berufliche Wege.
2. Bestehende Kontakte richtig pflegen
Finden Sie Kontaktanlässe und nutzen Sie diese. Markieren Sie sich zum Beispiel Geburtstage im Kalender und schicken Sie Ihren Kontakten Glückwünsche. Lassen Sie sich von LinkedIn und Xing über Profil-Updates Ihrer Kontakte informieren und beglückwünschen Sie diese zu neuen Positionen und beruflichen Erfolgen. Stellen Sie Fragen: Was sind deine neuen Aufgaben? Wie ist das neue Unternehmen? Wie sind die Kollegen? Ihnen fällt sicher viel mehr ein. Zeigen Sie ehrliches Interesse und haben Sie keine Angst vor Small Talk.
3. Neue Kontakte knüpfen
Überlege dir, wen du gerne kennenlernen möchtest, und schaffe gezielt Gelegenheiten dafür. Das können einzelne Personen im digitalen Raum sein, aber auch Orte und Veranstaltungen, die dich inhaltlich interessieren. Kommentiere beispielsweise Beiträge auf LinkedIn, die dir gefallen, und starte so einen Dialog mit der Verfasserin oder dem Verfasser. Besuche Fachkonferenzen, wissenschaftliche Tagungen oder Messen zu Themen, die dich begeistern, und knüpfe dort Kontakte zu Menschen mit ähnlichen Interessen. Das ist besonders hilfreich, wenn du dich in einem Bereich weiterentwickeln möchtest, in dem du bisher noch keine Kontakte hast.
Übrigens: Wenn es sich für dich ungewohnt anfühlt, aktiv auf neue Menschen zuzugehen, bist du damit nicht allein – viele empfinden das zunächst als Herausforderung.
Mehr dazu wie befreiend es sein kann, diese Zone zu verlassen und wie Anna Ihr Coaching bei INQUA empfunden hat, erfährst du in der Podcast-Folge mit Anna Baczkowska
4. Zeig dich!

Berufliche Online-Netzwerke sowie Offline-Formate wie Stammtische bieten dir vor allem die Chance, sichtbar zu werden und neue Kontakte zu knüpfen. Präsentiere dich dabei bewusst von deiner besten Seite. Die Kompetenzen, die du nennst, wirken wie Keywords bei einer Google-Suche – sie helfen dabei, Aufmerksamkeit zu erzeugen und im Gedächtnis zu bleiben, auch bei Personaler:innen. Wenn es dir schwerfällt, deine eigenen Stärken klar zu benennen, kannst du dein vertrautes Umfeld um eine Einschätzung bitten oder dir Unterstützung durch eine:n Karriere-Coach holen.
5. Vorurteile über Bord werfen
Netzwerken beginnt im Kopf. Viele Menschen verbinden damit unangenehme soziale Situationen oder haben das Gefühl, sich in eine Bittsteller:innen-Position zu begeben. Solche Denkmuster können schnell zu inneren Blockaden führen. Löse dich bewusst davon.
Netzwerken lässt sich unkompliziert in deinen Alltag integrieren. Begegne deinem Gegenüber auf Augenhöhe und verstehe dich selbst als offene:n und interessierte:n Gesprächspartner:in. So entsteht ein Austausch, der nicht nur wertvoll, sondern auch bereichernd sein kann.
INQUA Pro-Tipp
Visitenkarten sind out? Im Gegenteil! Mit einer ausgefallenen Visitenkarte hinterlassen Sie einen bleibenden Eindruck – durch ungewöhnliche Form oder besonderes Papier. Pro-Tipp: Lassen Sie einen QR-Code aufdrucken, der zu Ihrem LinkedIn-Profil führt. Wie das geht, erfahren Sie hier. Oder Sie wählen einen QR-Code mit Ihren Kontaktdaten, die Ihr Gegenüber per Scan direkt auf seinem Smartphone einspeichern kann.
6. Das eigene Profil schärfen
Bereite einen sogenannten Elevator Pitch zu deiner Person vor und präge ihn dir gut ein. So gerätst du in Vorstellungsrunden nicht ins Stocken.
„Wir machen mal eine kurze Vorstellungsrunde.“ Bringt dich dieser Satz ins Schwitzen? Das muss nicht sein. Wenn du deinen Elevator Pitch vorbereitet hast, kannst du souverän reagieren. Überlege dir im Vorfeld: Welche Stationen deines Lebenslaufs möchtest du unbedingt nennen? Was sind deine zentralen Stärken? Welche Erfolge möchtest du hervorheben?
So schärfst du dein Profil und bist optimal auf die nächste Vorstellungsrunde vorbereitet.
7. Lebenslauf aktuell halten
Apropos Profil: Achte darauf, dass deine Online-Profile auf LinkedIn und Xing klar strukturiert und aktuell sind. Wenn du auf beiden Plattformen aktiv bist, solltest du darauf achten, überall konsistente Informationen zu hinterlegen und dasselbe Foto zu verwenden.
Diese Angaben sollten sich natürlich auch in deinem Lebenslauf widerspiegeln, den du regelmäßig aktualisierst und jederzeit griffbereit hast. So bist du bestens vorbereitet, wenn es plötzlich heißt: „Ich habe meiner Chefin von dir erzählt – schick mir doch kurz deinen Lebenslauf!“
8. Empfehle andere!
Wenn du aktiv offline und online netzwerkst, wird früher oder später eine Anfrage oder ein Jobangebot auf dich zukommen, das nicht perfekt zu dir passt – für das du aber eine geeignete Person kennst. Zögere in diesem Fall nicht, eine Empfehlung auszusprechen. Deine Kontakte werden dir das langfristig positiv anrechnen.
Wichtig ist dabei jedoch deine Haltung: Betrachte eine Empfehlung nicht als strategisches Investment, sondern als selbstverständliche und gern gegebene Unterstützung innerhalb deines Netzwerks.
9. Geben und Nehmen
Bitten Sie ehemalige Vorgesetzte, Kommiliton:innen und Kolleg:innen um ein kurzes Referenzschreiben oder lassen Sie sich Ihre Kenntnisse auf Ihren Social-Media-Profilen bestätigen. Das geht noch besser, wenn Sie hier in Vorleistung gehen. Verfassen Sie selbst kurze Referenzschreiben für die Kontakte, von denen Sie sich eine Empfehlung wünschen, aber seien Sie nicht enttäuscht, wenn nicht jede:r gleich antwortet. Das muss nicht mit Ihnen persönlich zu tun haben. Ihre freundliche Kontaktaufnahme wird aber sicherlich in Erinnerung bleiben.
10. Bleibe in Erinnerung!

All deine Bemühungen bleiben wirkungslos, wenn man sich später nicht an dich erinnert. Wenn du die bisherigen Tipps zum erfolgreichen Netzwerken berücksichtigst, bist du hier bereits auf einem guten Weg. Eine zusätzliche Empfehlung, die etwas Übung erfordert, lautet: Biete aktiv Mehrwert an. Das kann eine fundierte Meinung, ein hilfreicher Tipp, eine relevante Information oder eine neue Perspektive sein.
Versuche durch gezieltes Nachfragen herauszufinden, welche Themen dein Gegenüber aktuell beschäftigen, und bring dich genau dort mit einem passenden Impuls ein. So wird der Austausch als besonders bereichernd wahrgenommen. Achte jedoch darauf, professionell zu bleiben: Interna, Klatsch oder negative Aussagen über frühere oder aktuelle Arbeitgeber:innen sind tabu und können dir schaden.
Du weißt nun, warum Netzwerken so wichtig ist, und hast eine erste Orientierung für dein eigenes Networking – sowohl offline als auch online. Wenn du noch tiefer einsteigen möchtest, kann ein Coaching sinnvoll sein. Dort entwickelst du deine individuelle Networking-Strategie, baust innere Hürden ab und verbesserst gezielt deine Gesprächsführung. Dabei unterstützen dich die INQUA Karriere-Coaches individuell im Rahmen eines Karriere-Coachings für Akademiker:innen mit dem Verfahren High Profiling®. Dieses Coaching kannst du übrigens vollständig über einen AVGS-Gutschein finanzieren.
Über den Autor:

Johannes Gramß ist Diplom-Psychologe und Geschäftsführer des INQUA-Instituts. Sein Schwerpunkt liegt in der Konzeptentwicklung für Digitales Coaching mit ansprechenden, wirkungsvollen Lernarchitekturen. Er beschäftigt sich zudem mit dem Nutzen von persönlichen Ressourcen und dem Bearbeiten innerer Barrieren bei der beruflichen Neuorientierung sowie dem psychologisch geschickten Umgang bei digitalen Auswahlprozessen für Bewerbende.