Das Leben hält immer wieder Herausforderungen für uns bereit – beruflich wie privat. Dabei stehen wir jedes Mal erneut vor der Frage, wie wir diese am besten bewältigen können. Jede:r von uns hat über die Jahre seine eigenen Ansätze entwickelt. Doch gerade, wenn die Herausforderung besonders groß erscheint und wir nicht wissen, wo wir am besten ansetzen sollen, erweist es sich als äußerst hilfreich, die eigenen Ressourcen zu kennen und in den jeweiligen Lebenssituationen gezielt auf diese zurückzugreifen. Somit hilft dieses Wissen auch, zusätzlichen Stress zu vermeiden. Was genau Ressourcen sind, wie der Ressourcenbaum als Coaching-Methode Ihnen helfen kann, diese zu erkennen und zu stärken, und wie Sie Ihre Ressourcen effektiv im Alltag nutzen können, erfahren Sie in diesem Blogartikel.

Was genau sind Ressourcen?

Ressourcen sind die inneren und äußeren Faktoren, die uns als Menschen zur Verfügung stehen und uns in unterschiedlichen Lebensbereichen unterstützen. Dazu zählen beispielsweise persönliche Stärken, Fähigkeiten, Erfahrungen, Netzwerke, finanzielle Mittel – um nur einige zu nennen. Indem Sie sich Ihre persönlichen Ressourcen bewusst machen und nutzen, können Sie Ihre Resilienz stärken und sich besser auf berufliche und persönliche Herausforderungen vorbereiten.

Der Begriff Ressourcen umfasst somit alle Kraftquellen, auf die Menschen in bestimmten Situationen zurückgreifen können. Doch um aus diesen Kraftquellen schöpfen zu können, muss man sie erst einmal kennen. Dazu gibt es verschiedene Ansätze. Im systemischen Coaching kommt dabei häufig der Ressourcen- bzw. Lebensbaum zum Einsatz.

Der systemische Coaching-Ansatz betrachtet den:die Coachee als Teil eines größeren sozialen und beruflichen Systems. In diesem System spielen Ressourcen eine zentrale Rolle, da sie die Selbstwirksamkeit stärken, Lösungen fördern und Veränderungen im Kontext ermöglichen. Dabei werden vielfältige Ressourcen – einschließlich Soft Skills und immaterielle Eigenschaften – berücksichtigt, um positive Entwicklungen zu unterstützen. Um genau diese Kraftquellen „herauszufiltern“, wird im Ressourcen-Coaching der Lebensbaum genutzt.

Person umarmt Baum

Wozu dient der Ressourcenbaum?

Der Ressourcenbaum ist eine Coaching-Methode, die Ihnen dabei hilft, Ihre Ressourcen und deren Beziehungen untereinander visuell darzustellen und so sichtbar zu machen. Die Übung unterstützt somit auch bei der Persönlichkeitsentwicklung. Ähnlich wie ein Baum, der seine Wurzeln tief in der Erde verankert, um festen Halt zu finden, und seine Äste in den Himmel erhebt, um zu wachsen und zu gedeihen, ermöglicht Ihnen der Ressourcenbaum, Ihre persönlichen Ressourcen zu strukturieren und zu verstehen, wie diese miteinander verknüpft sind.

Darüber hinaus eignet sich diese Übung, um (versteckte) Potenziale zu identifizieren, die bei der Lösung von Problemen und/oder der Erreichung eines Ziels hilfreich sind. Wie bereits erwähnt, sind die durch den Lebensbaum ermittelten Ressourcen äußerst vielfältig und können von Kompetenzen und Erfahrungen über Hobbys bis hin zu Beziehungen und einem bestimmten Umfeld reichen.

Da wir Menschen angesichts einer Herausforderung häufig dazu tendieren, uns auf das Negative zu konzentrieren und uns damit eventuell sogar selbst im Weg stehen, zeigt der Ressourcenbaum eine Alternative auf. Er eröffnet eine neue Perspektive, weg vom Negativen und hin zum Positiven, zum Nährenden. Mithilfe dieser Übung erfahren Sie nicht nur, welche Kraftquellen Ihnen zur Verfügung stehen, sondern auch, wie Sie diese gewinnbringend einsetzen können – was wiederum das eigene Selbstwertgefühl steigert.

Die Übung des Stärkenbaums beruht auf grundlegenden Prinzipien der Positiven Psychologie, der Selbstwirksamkeitstheorie und systemischen Ansätzen im Coaching. Die Methode hat in der angewandten Psychologie und im Coaching-Bereich im Laufe der Zeit zunehmend Anerkennung gefunden. Die visuelle Darstellung der Ressourcen unterstützt die Festigung der Selbstwirksamkeit, die Ressourcenaktivierung und fördert die Identifizierung persönlicher Stärken und Fähigkeiten. Als eine Form der Metaphernnutzung kann der Lebensbaum komplexe Informationen vereinfachen und die Beziehung zwischen individuellen und systemischen Ressourcen verdeutlichen.

Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Erstellung eines Ressourcenbaums

Bevor Sie diese Übung entsprechend der folgenden Anleitung Schritt für Schritt eigenständig durchführen, sollten Sie sich ausreichend Zeit nehmen, eine angenehme Umgebung schaffen und in Ihrem Alltag auf Pause drücken, damit Sie sich voll und ganz auf die Übung einlassen können. Gehen Sie die Methode außerdem spielerisch an und betrachten Sie Ihre Ressourcen nicht als in Stein gemeißelt. Denn genau wie Sie sich im Laufe der Zeit ändern, können sich auch Ihre Ressourcen ändern und weiterentwickeln.

Für den Ressourcenbaum benötigen Sie lediglich ein Blatt Papier (gerne A3 oder größer) und Stifte in verschiedenen Farben.

Der Ressourcenbaum besteht aus folgenden Teilen und ist mit gewissen Fragen verbunden:

  • Wurzeln → meine Kraftquellen (Was nährt und stärkt mich?)
  • Stamm → mein Fundament (Was habe ich schon erreicht?)
  • Astwerk & Blätter → meine Kompetenzen (Was sind meine Fähigkeiten und Stärken?)
  • Früchte → meine Ernte (Was kann ich dadurch bereits ernten?)
  • Sonne → meine Visionen und Ziele (Wohin will ich wachsen? Was treibt mich an?)
Anleitung wie die Ressourcenbaum-Übung genutzt wird

Schritt 1: Zeichnen Sie einen Baum

Legen Sie Ihr Platt Papier in Hochformat und zeichnen Sie einen Baum mit Wurzeln, Stamm, Ästen und Blättern sowie eine Sonne. Sie dienen Ihnen später als Gliederungshilfen Ihrer Ressourcen. Nutzen Sie beim Zeichnen das gesamte Blatt aus – Sie können sich an der Abbildung oben im Kasten orientieren.

Nun nehmen Sie sich Zeit für eine ehrliche Selbstreflexion. Identifizieren Sie Ihre persönlichen Stärken, Fähigkeiten, Erfahrungen, Werte, Netzwerke, Lieblingsaktivitäten, finanziellen Mittel und sonstigen Unterstützungsquellen. Ihre jeweiligen Ressourcen lassen sich dabei in unterschiedliche Ressourcengruppen – in diesem Fall Teile des Baumes – einteilen. Bitte beachten Sie, dass die Grenzen fließend sind und bestimmte Ressourcen auch in mehrere Kategorien fallen können. Diese können Sie dementsprechend auch mehrmals eintragen. Beginnen Sie zunächst bei den Wurzeln.

Schritt 2: Wurzeln – Ihre Kraftquellen

Die Wurzeln versorgen einen Baum mit Nährstoffen und verankern ihn. Fragen Sie sich an dieser Stelle:

  • Was gibt mir Halt?
  • Was gibt mir Kraft?
  • Was nährt mich?
  • Was stärkt mich?

Beispiele für Wurzelressourcen: Ihr soziales Umfeld (Familie und Freund:innen), Ihre Hobbys, Reisen

Schritt 3: Stamm – Ihr Fundament

Der Stamm verleiht dem Baum Stabilität und ist somit das Fundament. Fragen Sie sich an dieser Stelle:

  • Was habe ich bereits erreicht?
  • Welche Erfolge habe ich schon gefeiert?
  • Was sind prägende Meilensteine (beruflich, privat und emotional) in meinem Leben?
  • Worauf bin ich stolz?

Beispiele für Stammressourcen: Ihr Studium, Ihre Beförderungen, Ihre Hochzeit, Ihre Weiterbildungen

Schritt 4: Astwerk und Blätter – Ihre Kompetenzen

Die Äste und Blätter hat der Baum über die Zeit ausgebildet und wachsen lassen – sie machen den Baum zu dem, was er ist, und einzigartig. Fragen Sie sich an dieser Stelle:

  • Was sind meine Hard Skills?
  • Worin bestehen meine Soft Skills?
  • Worin liegen meine Stärken?
  • Welche Fähigkeiten habe ich außerhalb meines beruflichen Umfelds erworben?

Beispiele für Ast- und Blätterressourcen: Fachkompetenzen (IT-Kenntnisse, Marketing, Pädagogik), soziale Kompetenzen (Beratungsfähigkeit, Kommunikationsfähigkeit, kritisches Denken).
Hierbei können Sie auch mit Ober- und Unterkategorien arbeiten. So könnte zum Beispiel ein großer Ast „Kommunikation“ lauten und von diesem gehen mehrere kleine Äste (Verhandlungssicherheit, Gesprächsführung, Beratungskompetenz) ab.

TIPP: Wenn Sie aktuell ein INQUA-Coaching mit High Profiling® durchlaufen, können Sie Ihr Kompetenzprofil perfekt für den Punkt 4 nutzen. Übertragen Sie Ihre fachlichen und sozialen Kompetenzen aus dem Kompetenzprofil und bilden Sie Kompetenzcluster. Dies kann Ihnen besonders dann helfen, wenn Sie den Ressourcenbaum nutzen möchten, um neue berufliche Optionen zu entwickeln.

Schritt 5: Früchte – Ihre Ernte

Im Sommer oder Spätsommer treibt der Baum seine Früchte aus, die man ernten kann. Die Früchte sind somit das Ergebnis aus dem Zusammenspiel der Wurzeln, des Stammes, der Äste und Blätter. Fragen Sie sich an dieser Stelle:

  • Was kann ich dadurch bereits ernten?
  • Woran erfreue ich mich?
  • Wovon profitiere ich heute aufgrund meiner vorherigen Arbeit/Erfolge?

Beispiele für Fruchtressourcen: ein Beruf, der Sie erfüllt, ein bestärkender Freundeskreis, ein gemütliches Zuhause, Freiheit, Gesundheit

Schritt 6: Sonne – Ihre Vision und Ziele

Die Sonne fördert das Wachstum des Baumes, wodurch er sich immer weiter entfalten kann. Sie ist in gewisser Weise auch eine Art Motor für den Baum, der ihn antreibt. Fragen Sie sich an dieser Stelle:

  • Wohin will ich wachsen?
  • Was treibt mich an?
  • Was möchte ich noch erreichen?
  • Wie sehen mein ideales Leben und meine Träume aus?

Beispiele für Sonnenressourcen: berufliche Weiterentwicklung, ein gemeinsames Hobby mit Ihrem:r Partner:in, persönliche/berufliche Ziele

Schritt 7: Das Gesamtbild betrachten

Nachdem Sie nun den Baum mit Ihren persönlichen Kraftquellen geschmückt haben, können Sie Ihr Werk betrachten. Wenn möglich führen Sie diesen Schritt mit etwas Abstand durch. Fragen Sie sich, ob der Baum sich „komplett“ anfühlt oder ob Sie noch etwas hinzufügen oder ändern möchten.

Wie fühlt es sich an, all Ihre Kraftquellen auf einer Seite zusammengetragen zu haben? Fühlen Sie sich nun gestärkter mit Blick auf aktuelle und zukünftige Herausforderungen? Überlegen Sie, wie Ihre Ressourcen miteinander interagieren und sich gegenseitig unterstützen können. Visualisieren Sie diese Verknüpfungen auch gerne in Form von Linien oder Verbindungspunkten. Fragen Sie sich, welche Kraftquellen Ihnen eher im beruflichen Kontext zugutekommen und welche im privaten.

So sieht ein ausgefüllter Ressourcenbaum aus

Wie Sie Ihre Ressourcen im Alltag gezielt nutzen

Nachdem Sie Ihren Ressourcenbaum erstellt haben, können Sie ihn als Tool nutzen, um Ihre Ressourcen im Alltag effektiv einzusetzen:

  • Identifizieren Sie mögliche Engpässe: Achten Sie auf Bereiche, in denen Ihre Ressourcen möglicherweise nicht ausreichend sind, und entwickeln Sie Strategien, um diese zu stärken.
  • Entscheidungsfindung: Konsultieren Sie Ihren Ressourcenbaum bei wichtigen Entscheidungen, um die Auswirkungen auf Ihre Ressourcen besser abzuwägen.
  • Zielsetzung: Nutzen Sie Ihren Ressourcenbaum, um realistische Ziele zu setzen und zu planen, wie Sie Ihre Ressourcen optimal einsetzen können, um diese Ziele zu erreichen.
  • Selbstmotivation: Erinnern Sie sich an Ihre Ressourcen, um Selbstvertrauen und Motivation zu stärken, wenn Sie mit Herausforderungen konfrontiert sind.
  • Netzwerken: Identifizieren Sie über Ihren Ressourcenbaum potenzielle Unterstützer:innen und Expert:innen in Ihren Netzwerken, die Ihnen bei bestimmten Herausforderungen weiterhelfen können.

Bitte beachten Sie, dass es sich um ein dynamisches Tool handelt. Mit Zeit, Erfahrung und Selbsterkenntnis wird Ihr Ressourcenbaum weiter wachsen und sich verändern. Der Prozess der Erstellung und Pflege Ihres Ressourcenbaums kann dazu beitragen, Ihr Bewusstsein für Ihre Fähigkeiten zu steigern, und Sie dazu ermutigen, Ihre Potenziale voll auszuschöpfen.

Bei der Durchführung dieser Übung stellen sie möglicherweise fest, dass es Ihnen schwerfällt, Ihre eigenen Kompetenzen, Stärken, Werte etc. zu identifizieren, und dass Sie sich Unterstützung dabei wünschen. Im Rahmen des Karriere-Coachings bei INQUA erhalten Sie zu Beginn des Prozesses ein umfassendes Kompetenzprofil High Profiling®. Dieses Profil wird auf der Grundlage eines Interviews mit Ihrem:r persönlichen Coach erstellt und zeigt Ihnen Ihre fachlichen sowie sozialen Kompetenzen auf.

Sie erhalten eine detaillierte Übersicht über Ihre Stärken und Potenziale, die Ihnen hilft, in Kombination mit Ihrem Coaching Veränderungen anzustoßen und somit Ihre beruflichen Ziele erfolgreich zu verfolgen. Ausgehend davon können Sie gemeinsam mit Ihrem:r Coach Coaching-Übungen zum Ressourcenmanagement und zur Ressourcenstärkung durchführen, um berufliche sowie private Herausforderungen zu meistern.

Wenn Sie noch tiefer in die Thematik des Ressourcenbaums einsteigen wollen, empfehlen wir Ihnen die Podcastfolge „Der Ressourcenbaum als Coaching-Übung zum Mitmachen“ mit Jochen Ziepke. In dieser Folge erhalten Sie weitere Informationen rund um das Thema Ressourcen und bekommen Beispiele aus meinem persönlichen Lebensbaum an die Hand, die Ihnen ebenfalls als Anregung dienen können.

 Mit dem Wissen um Ihre Ressourcen sind Sie erfolgreicher aufgestellt – beruflich und privat

Das Erkennen und Stärken Ihrer eigenen Ressourcen ist von entscheidender Bedeutung für Ihre berufliche und persönliche Entwicklung. Dabei ist der Ressourcenbaum eine effektive Coaching-Methode, die Sie dabei unterstützt, Ihre Ressourcen zu visualisieren und ihre Bedeutung zu erkennen. Durch die bewusste Nutzung Ihrer Ressourcen im Alltag können Sie Ihre Resilienz stärken, Ihre Ziele schneller erreichen und mit Zuversicht auf kommende Anforderungen reagieren. Nutzen Sie den Ressourcenbaum als Tool, um Ihre berufliche Laufbahn erfolgreich zu gestalten und ein erfülltes Leben zu führen.

Über den Autor:

Johannes Junker

Johannes Junker ist systemischer Coach, kreativer Prozessbegleiter und Head of Communications am INQUA-Institut. Als Host des INQUA Karriere-Coaching-Podcasts COACHGEFLÜSTER spricht er regelmäßig mit Expert:innen zu Themen rund um die berufliche Neuorientierung und gibt Tipps für Vorstellungsgespräche, Bewerbung und die persönliche Weiterentwicklung.

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