Burn-out ist in aller Munde. Spätestens seit der Corona-Pandemie gibt es fast niemanden, der mit diesem Thema nicht persönlich in Kontakt gekommen ist, entweder durch das eigene Umfeld oder ganz direkt betroffen war. Die Ursache für Burn-out: Stress, der nicht mehr erfolgreich verarbeitet werden kann. Dass Stress sich negativ auf unser Wohlbefinden und unsere Gesundheit auswirken kann, ist weitläufig bekannt. Wenn Sie unter Dauerstress stehen, immer wieder an Ihre Belastungsgrenzen geraten und das Gefühl haben, kurz vor der totalen Erschöpfung zu stehen, besteht das Risiko eines Burn-on-Syndroms. Doch worin besteht der Unterschied zwischen „on“ und „out“?

Was ist Burn-on und worin besteht der Unterschied zu Burn-out?

Burn-on und Burn-out klingen zunächst fast gleich, unterscheiden sich jedoch deutlich voneinander. Burn-out wird von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als „chronischer Stress am Arbeitsplatz, der nicht erfolgreich verarbeitet wird“ definiert und umfasst drei maßgebliche Dimensionen:

  • ein Gefühl von Erschöpfung,
  • eine zunehmende geistige Distanz oder eine negative Haltung gegenüber dem eigenen Job und
  • ein verringertes berufliches Leistungsvermögen.

Doch wenn wir erst beim Burn-out ansetzen, ist es oft schon zu spät. Dieser hätte vielleicht verhindert werden können. Genau an dieser Stelle kommt Burn-on ins Spiel – was bisher kein offiziell anerkanntes Phänomen darstellt und gewissermaßen die Vorstufe zum Burn-out bildet. Eine Person, die an Burn-out leidet, kann nicht mehr weitermachen. Sie fühlt sich kraftlos, antriebslos und empfindet eine starke innere Abneigung in Bezug auf die Arbeit. Im Gegensatz dazu machen Menschen, die unter Burn-on leiden, weiter wie gehabt – sie schaffen es nicht, auszusteigen. Burn-on beschreibt einen Prozess, bei dem insbesondere Menschen, die sich stark mit ihrer Arbeit identifizieren und diese auch möglichst gut machen wollen, immer wieder an ihre Leistungsgrenzen geraten. Dadurch befinden sie sich in einem Zustand des Dauerstresses, der sowohl psychische als auch körperliche Folgen mit sich bringt.

Seil kurz vor dem reißen

Welche ersten Anzeichen und Warnsignale gibt es?

Da jeder Mensch unterschiedlich ist, können auch die ersten Anzeichen eines Burn-on verschieden ausfallen. Allgemein befinden sich Personen, die unter Burn-on leiden, in permanentem Stress, was häufig zu einem Daueranspannungszustand führt, der auf lange Sicht zu Erkrankungen und zu Burn-out führen kann. Die Betroffenen brechen zwar nicht unter der Überforderung zusammen, leiden jedoch unter permanenten Beschwerden – sowohl physisch als auch psychisch. Zu den häufigsten Burn-on-Symptomen zählen:

  • Verspannungen, die sich in Rücken-, Nacken- und Kopfschmerzen äußern;
  • Schlafstörungen;
  • ein chronisches Gefühl von Erschöpfung bis hin zu einer Erschöpfungsdepression;
  • Bluthochdruck und Gefäßerkrankungen;
  • Verzweiflung;
  • Sinnlosigkeit;
  • Perspektivlosigkeit;
  • fehlende Begeisterung und Lebensfreude;
  • Entfernung von den persönlichen Werten und Zielen.

Menschen mit Burn-on gehen somit immer wieder an ihre Grenzen, funktionieren meistens nur noch und fühlen sich gestresst und erschöpft – sie brennen nicht aus, sondern weiter, daher auch der Begriff „Burn-on“. Die Ursachen für diese Überlastung und Erschöpfung durch zu viel Stress und Arbeit lassen sich auf innere und äußere Faktoren zurückführen.

Äußere und innere Faktoren für Burn-on

Die äußeren Umstände, die zu einem Burn-on-Syndrom führen können, wurden durch die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Lockdowns weiter verstärkt. Denn im Homeoffice und durch die permanente Erreichbarkeit verschwammen für viele die Grenzen zwischen Berufs- und Privatleben immer mehr. Darüber hinaus leben wir in einer Gesellschaft, die Leistung und Erfolg besonders großschreibt, und lesen jeden Tag neue Schlagzeilen über Stellenabbau, Wettbewerbsdruck, Inflation und Rezession. All diese Faktoren führen zu einem enormen Leistungsdruck. Stress wird zum Normalzustand und eine gesunde Work-Life-Balance rückt in den Hintergrund. Die äußeren Ursachen für ein Burn-on sind äußerst vielschichtig und betreffen gesellschaftliche (Konsumdruck, wachsendes Lebenstempo …) sowie arbeitsbezogene (Verdichtung der Arbeit, mangelnde Wertschätzung …) Faktoren.

Diese äußeren Einflüsse sind gleichzeitig eng verbunden mit den inneren Faktoren und können diese triggern oder verstärken. Um die inneren Faktoren zu beschreiben, wird häufig auf ein psychologisches Konzept zurückgegriffen, dessen Dynamiken Menschen stressen und erschöpfen können: die fünf inneren Antreiber. Das Konzept der fünf Antreiber oder „Five Drivers“ stammt aus der Transaktionsanalyse (TA), einer psychotherapeutischen Methode, die ursprünglich von Eric Berne in den 1950er-Jahren entwickelt wurde. Die „Five Drivers“ wurden jedoch später durch Taibi Kahler, einem Schüler von Berne, als Teil des „Process Communication Model“ (PCM) konzipiert und erweitert. Diese lauten:

  1. Sei perfekt! (Genauigkeit und Fehlerlosigkeit)
  2. Mach es allen recht! (Freundlichkeit und Liebenswürdigkeit)
  3. Streng dich an! (Gründlichkeit und Durchhaltevermögen)
  4. Sei stark! (Unabhängigkeit und Stärke)
  5. Beeil dich! (Schnelligkeit und die Fähigkeit, Chancen zu nutzen)

Diese inneren Antreiber äußern sich bei vielen Menschen als eine innere Stimme im Kopf, die einen weiter antreibt und das eigene Denken, Fühlen sowie Handeln bestimmt. Ein typisches Verhalten, das von diesen Antreibern befeuert wird, ist zum Beispiel nur schwer „Nein“ sagen zu können oder jede Aufgabe möglichst perfekt erledigen zu wollen. Jeder Mensch trägt Aspekte der einzelnen Antreiber in sich – stark oder weniger stark ausgeprägt – und hat somit sein eigenes inneres Steuerungsmuster. In Stresssituationen und insbesondere in Zeiten von Dauerstress, wie bei Burn-on, treten diese Antreiber stärker hervor.

Doch auch wenn diese Antreiber auf den ersten Blick wie unsere inneren Feinde wirken, haben sie stets zwei Seiten: Jeder Antrieb hat seine eigenen positiven Aspekte, kann aber auch zu Stress und unproduktivem Verhalten führen, wenn er zu stark wird. Positiv gesehen können sie als Antriebskraft fungieren, ohne die wir gar nicht erst ins Handeln kommen würden. Bei Burn-on-Betroffenen sind diese Antreiber allerdings aus der Balance geraten. Dann können diese Antreiber dazu beitragen, den Dauerstress aufrechtzuerhalten und weiter zu befeuern.

Wenn Sie Ihre(n) Antreiber identifiziert haben, gibt es zahlreiche Ansätze und Möglichkeiten, diese Schritt für Schritt zu Ihrem Vorteil – anstatt zu Ihrer Belastung – zu nutzen. Es gibt in diesem Zusammenhang kein Richtig oder Falsch, sondern vielmehr dürfen Sie mit Neugier und durch Ausprobieren Ihren eigenen Weg finden, der zu Ihnen, Ihrem Alltag und Ihren Bedürfnissen passt. Dabei lohnt es sich beispielweise in Bezug auf den eigenen Job, aktiv ins Handeln zu kommen.

Mutter arbeitet im Homeoffice mit Kind

Selbst Verantwortung für sich zu übernehmen, ist der erste Schritt Richtung Lösung

Häufig vertrauen Menschen darauf, dass ihre Vorgesetzten Lösungen finden, um den Stress auf der Arbeit zu reduzieren. Doch was wäre, wenn Sie aktiv das Gespräch zu Ihrem:Ihrer Vorgesetzten suchen? Indem Sie selbst die Initiative ergreifen, können Sie den Prozess aktiv steuern und die Erkenntnisse aus Ihren Ressourcenübungen in Ihren Arbeitsalltag integrieren. Erstellen Sie dazu beispielsweise eine Präsentation, in der Sie Ihre Aufgaben auflisten, wie viel Zeit Sie dafür benötigen und warum Sie deshalb derzeit in Zeitnot geraten und dies zu Stress führt. Führen Sie verschiedene Maßnahmen auf und überlegen Sie anschließend gemeinsam mit Ihrem:Ihrer Vorgesetzten, wie Sie diese konkret umsetzen und verfolgen können.

Grenzen setzen, die zu Ihrem Arbeitsalltag passen

Der erste Schritt, um Burn-on zu vermeiden und ihm entgegenzuwirken, besteht darin, sich die inneren und äußeren Faktoren in Ihrem (Arbeits-)Alltag bewusst zu machen und herauszufinden, wie Sie Ihre innere Batterie schützen und aufladen können. Die in diesem Artikel aufgezeigten Ansätze können Ihnen dabei helfen. Da diese Thematik jedoch vielschichtig ist und durch langjährige (innere) Muster, Antreiber sowie Glaubenssätze bedingt wird, sollten Sie in Betracht ziehen, sich professionelle Unterstützung zu suchen, beispielsweise in Form eines Coachings. Da in manchen Fällen ein Jobwechsel zur Lösung des Problems beitragen kann, können Sie im Rahmen eines Karriere-Coachings bei INQUA einen neuen Job finden, der besser zu Ihnen und Ihren Bedürfnissen passt. Außerdem können Sie mithilfe Ihres:Ihrer Coach und verschiedener Ressourcenübungen lernen, Stress durch konkrete Strategien zu reduzieren.

In jedem Fall gilt: Lernen Sie, Nein zu sagen! Warten Sie nicht, dass Ihre Vorgesetzten konkrete Maßnehmen ergreifen, sondern werden Sie selbst aktiv und kommunizieren Sie klar Ihre Bedürfnisse. Suchen Sie nach Möglichkeiten, Pausen in Ihren Alltag zu integrieren. Priorisieren Sie Hobbys, die Ihnen Energie geben. Wenn Ihnen das morgendliche Lieblingsfrühstück zu Hause und in Ruhe besonders viel Kraft und Energie für den Tag schenkt, priorisieren Sie genau das und machen Sie diesen Teil Ihres Tages unverhandelbar. Denn Burn-on passiert, wenn gerade diese Dinge (unbemerkt) verloren gehen.

5 Tipps gegen Burn-on

  • Bauen Sie mehrere Pausen (von 5 bis 60 Minuten) aktiv und vorab in Ihren Terminkalender ein und halten Sie sich daran.
  • Gehen Sie aktiv auf Ihre:n Vorgesetzte:n zu und schlagen Sie Maßnahmen vor, die Ihnen konkret helfen.
  • Finden Sie heraus, was Ihnen Energie gibt, und bauen Sie diese Dinge vermehrt in Ihren Alltag ein.
  • Prüfen Sie Ihre inneren Einstellungen und gehen Sie nicht so hart mit sich ins Gericht.

Veränderungen brauchen Zeit und sind nicht linear. Haben Sie Geduld und schenken Sie sich selbst Mitgefühl und holen Sie sich gegebenenfalls professionelle Unterstützung.

Über den Autor:

Johannes Junker I Head of Coaching bei INQUA

Johannes Junker ist systemischer Coach, kreativer Prozessbegleiter und Head of Communications am INQUA-Institut. Als Host des INQUA Karriere-Coaching-Podcasts COACHGEFLÜSTER spricht er regelmäßig mit Expert:innen zu Themen rund um die berufliche Neuorientierung und gibt Tipps für Vorstellungsgespräche, Bewerbung und die persönliche Weiterentwicklung.

Weitere Links zum Thema: 

COACHGEFLÜSTER-Folge:

Stress am Arbeitsplatz from 9 to 5? Tipps gegen Burn-out – mit INQUA Coach Renée Seehof

Blogartikel:

Neue Jobchancen mit der Agentur für Arbeit

Literaturtipps:

Jetzt online zum Coaching anmelden!

Egal, ob Sie direkt mit dem Coaching durchstarten oder zuerst Ihre:n Coach kennenlernen möchten: Melden Sie sich jetzt unverbindlich zum Karriere-Coaching an!

Letzte Beiträge

Souverän zum neuen Job: 10 Tipps für Ihr Bewerbungsgespräch

Souverän zum neuen Job: 10 Tipps für Ihr Bewerbungsgespräch

Vom Bewerbungsgespräch zum Traumjob: 10 bewährte Tipps für Sicherheit und Souveränität. Erfahren Sie, wie Sie sich gründlich vorbereiten, Ihre Selbstpräsentation perfektionieren und Ihre Motivation überzeugend darlegen. Diese Tipps unterstützen Sie bei den Herausforderungen Ihres nächsten Bewerbungsgesprächs.

Wie Ihre soziale Herkunft Ihren Berufsweg prägt

Wie Ihre soziale Herkunft Ihren Berufsweg prägt

Die soziale Herkunft und von der Familie vermittelte Werte und Glaubenssätze beeinflussen unseren Berufsweg. INQUA Coach Christine Yildirim spricht im Podcast darüber, wie die Genogrammarbeit im Coaching unbewusste Prägungen und Ressourcen sichtbar macht und welche Chancen sich daraus für unser Berufsleben ergeben.

Assessment-Center Übungen: In 7 Tagen fit für Ihren Erfolg

Assessment-Center Übungen: In 7 Tagen fit für Ihren Erfolg

Eine Einladung zu einem Assessment-Center ist die Eintrittskarte in Runde zwei des Bewerbungsprozesses. Verständlich, dass Sie hier glänzen möchten. Wir haben Assessment-Center Übungen für Sie zusammengestellt und zeigen Ihnen, wie Sie sich innerhalb von sieben Tagen perfekt auf ein AC vorbereiten können.