Aus der Arbeitslosigkeit in den neuen Job

Aus der Arbeitslosigkeit in den neuen Job! Wie Sie mit Zweifeln umgehen und innere Barrieren überwinden können

Zeiten der Arbeitslosigkeit sind oft von Zweifeln und Ängsten geplagt. In den vergangenen Jahren habe ich viele Menschen in diesen schwierigen Phasen als Coach begleitet und festgestellt: Es gibt verschiedene Muster und Fallstricke, die sich häufig wiederholen. Eine positive Grundeinstellung nach dem Motto „Wer nichts wagt der nichts gewinnt!“ ist meist die wichtigste Voraussetzung für eine erfolgreiche Arbeitssuche. Sich selbst zu motivieren ist allerdings nicht immer leicht. Die gute Nachricht: Es gibt praktische Strategien, die Ihnen helfen können, den Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt zu erleichtern. Durch gezielte Vorbereitung und Strukturierung des eigenen Alltags können Sie bereits ein solides Fundament und damit gute Voraussetzungen schaffen. In diesem Beitrag möchte ich auf die häufigsten Zweifel und Herausforderungen eingehen und Ihnen einige Denkangebote mit auf den Weg geben.

von Sabine Letzner

„Ich glaube, fachlich nicht gut genug für den Job zu sein. Was kann ich tun?“

Wenn Sie bereits einige Monate oder länger nicht in Lohn und Brot sind, könnten Kompetenzen verloren gegangen sein; dies gilt insbesondere für praktische EDV-Kenntnisse aber auch Sprachkenntnisse, soweit im angestrebten Job erforderlich. Unangenehm wäre, wenn dies im Vorstellungsgespräch oder erst recht während der Jobausübung herauskäme. Ein häufiger Zweifel, den Arbeitsuchende in dieser Hinsicht häufig äußern, ist „Wie soll ich wissen, was ich brauche? Das lerne ich dann eben bei der Einarbeitung.“ Sicher können Sie nie genau wissen, was Sie brauchen werden, aber manches ist zu vermuten bzw. wahrscheinlich.

Gerade was Computerfähigkeiten angeht, können Sie sich ohne aufwändige, teure Kurse auf den aktuellen Stand bringen: am heimischen Rechner die Standardprogramme auswählen, jeweils alle Menüs ausprobieren, notfalls mit Hilfe der Hilfefunktion, Dateien anlegen, die Funktionen ausprobieren – seien Sie mutig, hier kann nichts passieren! Falls Sie kein Microsoft Office haben, helfen die sehr ähnlichen Programme von Libre Office, die Sie kostenfrei herunterladen können; es gibt zudem ähnliche kostenfreie Alternativen für unterschiedliche Zwecke und Anwendungen. Sprachkenntnisse lassen sich nicht nur durch Lesen auffrischen oder erweitern, sondern auch durch fremdsprachige Filme und Serien, den Kontakt zu Menschen mit einer anderen Muttersprache, mit denen Sie ein Sprach-Tandem bilden könnten. Alle weiteren Kenntnisse, z.B. kaufmännische Kenntnisse, Projektmanagement oder spezielle Themen finden sich mehr oder weniger ausführlich im Internet; z.T. werden Produktschulungen sowie kostenfreie „Webinare“ angeboten. Auch auf YouTube gibt es mittlerweile eine riesige Fülle an tollen Weiterbildungsmöglichkeiten und Kursen.

Manche Kenntnisse über Produkte, Dienstleistungen und Kooperation können Sie sich in öffentlich zugänglichen Bereichen aneignen, z.B. in Geschäften, in den Wartebereichen von Praxen und Kliniken (Broschüren) und natürlich in Bibliotheken und Museen. Vielleicht haben Sie jemanden in Ihrem Bekanntenkreis, der von einem speziellen Thema über Kenntnisse verfügt und Sie mit Rat und Tat unterstützt. Vielleicht revanchieren Sie sich mit etwas, dass Ihnen ohnehin Freude macht, wie die Zubereitung eines leckeren Essens oder mit dem Hund Gassi gehen. Eine weitere wichtige Möglichkeit, sich Praxis anzueignen, ist das Ehrenamt: Hier können Sie durch Abschauen von anderen, Anleitung und praktisches Tun Kompetenzen, Kontakte und Selbstbewusstsein erwerben. Wenn Sie durch ihr Ehrenamt häufig mit Menschen aus anderen Kulturen in Kontakt kommen, können Sie vielleicht sogar Ihre Sprachkenntnisse erweitern. Ideen für entsprechende Tätigkeiten finden Sie bei der Freiwilligenagentur. Auch können die o.g. Selbstlernmöglichkeiten und Engagements Ihre derzeitige Lücke im Lebenslauf sinnvoll füllen.

„Ich habe Angst, die Probezeit nicht zu bestehen, wie kann ich das verhindern? Und notfalls mit dem Rückschlag umgehen?“

Auch wenn Sie bereits eine Stelle gefunden habe, die Probezeit kann eine bedrückende Wirkung ausüben. Mit den oben genannten Tipps können Sie sich durch Eigeninitiative Kompetenzen aneignen, denn durch gute Vorbereitung können Sie sich viel schneller in die neue Tätigkeit einarbeiten. Darüber hinaus ist es sehr wichtig nachzuvollziehen, wie der oder die Vorgänger/in seine oder ihre Aufgaben erledigt hat. Falls Sie es nicht selbst (in ausreichendem Maß) herausfinden, können Sie auch ihre Mitarbeitenden oder Vorgesetze um Rat fragen. Kollegiales Verhalten bedeutet allerdings auch, andere zu unterstützen und nicht ständig „Löcher in den Bauch zu fragen“. Eine gute Balance ist hier wichtig. Regelmäßig (ca. einmal pro Monat) sollten Gespräche mit Vorgesetzten geführt werden, um den Stand der Einarbeitung zu begleiten und Probleme rechtzeitig anzusprechen. Anfangs sollten Sie grundsätzlich bereit sein, unbezahlte Überstunden zu leisten, weil die regelmäßige Arbeitszeit dafür vielleicht nicht ausreicht.

Falls tatsächlich der Fall eintritt, dass Sie innerhalb der Probezeit gekündigt werden, sehen Sie es auf diese Weise: Der Vorgesetzte hat erkannt, dass es längerfristig nicht klappen würde und will sich und Ihnen diesen „Leidensweg“ ersparen; vielleicht war die Stelle einfach nicht die richtige für Sie. Stellen Sie eine neutrale Reflexion an: Es könnte sein, dass durch die Struktur der Organisation (z.B. Sie hatten einen fachlichen und einen disziplinarischen Vorgesetzten, die miteinander im Clinch lagen) die Probleme offensichtlich waren und Sie persönlich keine „Schuld“ trugen. Sie können sich auch beim ehemaligen Chef und Kollegen erkundigen, was positiv war. Ideal wäre es, wenn Sie dennoch ein sehr gutes Zeugnis bekämen, das es Ihnen ermöglicht die Zeit in einem positiven Licht zu präsentieren.

Auch wenn es zunächst schwierig scheint: Versuchen Sie, diesen Versuch wertzuschätzen! Was war gut? Was habe ich gelernt? Was habe ich geschafft? Start-ups haben oft auch erst beim 5. Versuch Erfolg! Eine tolle Möglichkeit ist die Teilnahme an einem „Erfolgsteam“: Hier treffen sich regelmäßig Menschen mit unterschiedlichen Zielen, um strukturiert zu berichten, was Sie unternommen haben und sich gegenseitig zu unterstützen.

„Ich betreue zurzeit meine Eltern/meine Kinder. Wie soll ich denn dabei arbeiten?“

Eine schwierige Situation: Sie führen eine wichtige gesellschaftliche Tätigkeit aus, die andere von Institutionen durchführen lassen, und sind dadurch stark eingeschränkt. Nun ist es zuweilen auch so, dass die Betreuung oder Pflege auch deswegen von Menschen übernommen wird, weil diese keiner Arbeit nachgehen – es ist halb freiwillig, halb notwendig. Überlegen Sie zunächst, welches der wichtigste Grund für Ihr Engagement ist und was der pflegebedürftige Mensch dazu sagen würde, wenn er/sie in der Lage wäre, sich in Sie hineinzuversetzen.

Wenn Sie die Entscheidung getroffen haben, dass Sie Ihre Chancen auf eine neue Anstellung wahrnehmen wollen, suchen Sie nach (zeitweiligen) Betreuungsalternativen im Familien- und Bekanntenkreis. Eine Tagespflegeeinrichtung kann es Ihnen ermöglichen, wenigstens in Teilzeit zu arbeiten. Dazu gibt es die Möglichkeit der flexiblen Arbeitszeiten oder Homeoffice, die allerdings zumeist erst nach der Einarbeitung gewährt werden. In vielen Fällen wird der Platz in einer stationären Pflege im Heim oder WG die einzige Lösung sein, die es Ihnen erlaubt, voll berufstätig zu sein, und es ist auch nicht immer die schlechteste Möglichkeit.

Erkundigen Sie sich gut, bevor Sie eine Heimunterbringung ablehnen, und wenn Sie selber pflegen, dann aus vollem Herzen – niemand zwingt Sie! Zwar werden Ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt nach einigen Monaten oder sogar Jahren Arbeitspause gesunken sein, aber sie können Ihre Situation etwas verbessern, wenn Sie in dieser Zeit Kontakt zum Arbeitgeber und Ihre Kompetenzen auf dem Laufenden halten. (s.o.)

„Ich liebe meine freie Zeiteinteilung und schlafe gerne aus, wie soll ich denn so eine „normale“ Arbeit finden?“

Besonders Menschen, die lange Zeit freiberuflich oder ohne Arbeit waren, haben oft Schwierigkeiten einen Nine-to-Five-Rhythmus in den eigenen Alltag zu integrieren. Natürlich gibt es auch Jobs mit Spät- oder Nachtschicht, allerdings nur in bestimmten Bereichen. Nachteile sind hier oft routinemäßige Tätigkeiten und wenig Kontakt zu Kolleginnen und Kollegen, zudem wird der Schlafrhythmus zementiert oder sogar verstärkt. Variable Arbeitszeiten gibt es durchaus, jedoch nicht immer von Vertragsbeginn an. Grundsätzlich würde ich jedem, der keine Arbeit hat, an Wochentagen eine relativ feste Zeit des Aufstehens (bis 8 oder 9 Uhr) empfehlen, allein schon, um kurzfristig eine attraktive Stelle oder Fortbildung annehmen zu können, aber auch, um das Tageslicht für diverse private Aktivitäten zu nutzen.

Falls Sie bisher ein „Nachtmensch“ waren, fällt Ihnen dies sicherlich nicht leicht; da das späte Einschlafen auch eine besondere Form von Prokrastination/Aufschieberitis sein kann, lohnt es sich, daran zu arbeiten. Um den Rhythmus zu ändern, hilft nur morgens den Wecker zu stellen und aufzustehen! Wenn Sie einige Stunden durchhalten, indem Sie Aufgaben erledigen (incl. Jobrecherchen und Bewerbung), aber auch private und praktische Dinge tun, wie Ausflüge, Gartenarbeit, Sport, Treffen mit Freunden, werden Sie nach einer Weile abends früher müde. Dann wäre es sogar denkbar, dass Sie eine interessante Arbeit annehmen können, für die Sie um 6 oder 7 Uhr aufstehen müssen, u.a. auch weil der Weg etwas weiter ist.

„Ich bewerbe mich lieber nicht, um nicht schon wieder eine Absage zu erhalten. Wie kann ich mit der Angst vor Ablehnung umgehen?“

Nehmen Sie Absagen sportlich, nicht persönlich! Niemand erhält gern Absagen für die schriftliche Bewerbung. Bedenken Sie jedoch, dass sich auf einige Stellen mehr als 100 Personen bewerben. Und sollten Sie es ins Vorstellungsgespräch schaffen, das wie ein „Fünfer im Lotto“ zu betrachten ist, sind Sie wohl immer noch einer von 10 Kandidaten. Außerdem gibt es viele Bewerbungsverfahren, bei denen der Favorit (interne Bewerbung) vorher quasi feststeht. Es werden sogar, aus Marketinggründen, zuweilen Stellen ausgeschrieben, obwohl keine zu besetzen sind. Die Chancen stehen also nicht immer optimal – es gibt keinen Grund, dies persönlich zu nehmen! Sie können nur alles dafür tun, um Ihre Bewerbung optimal zu gestalten, Fehler zu vermeiden und Ihre Strategie zu optimieren.

Versuchen Sie Ihren Bewerbungsvorgang mit den Augen des Personalers zu sehen. Ohne hier auf Details der Bewerbungsstrategie einzugehen, könnten Sie durch Netzwerken, Initiativbewerbung sowie einen Anruf vor der Bewerbung und Nachhaken Ihre Chancen erhöhen, bei Ablehnung vielleicht sogar durch nochmaliges Bewerben bei einem besonders attraktiven Arbeitgeber. Ihre schriftlichen Unterlagen sollten (evtl. durch Bekannte) bzgl. Fehlern, Wiederholungen, Widersprüche, Worthülsen etc. kontrolliert werden.

Der Lebenslauf muss gut strukturiert sein. Dabei stellen Sie die neueren und längeren Stationen ausführlicher dar als die älteren und kürzeren. Nicht immer gehört die Ausbildung an den Anfang des Lebenslaufs, sondern nur im ersten Jahr nach dem Berufs- oder Studienabschluss bzw. eventuell 2 Jahre danach, wenn Sie seitdem keine Berufspraxis erworben haben. Ansonsten hat Praxis (auch die ehrenamtliche, s.o.) mehr Bedeutung; Lücken möglichst in Stichworten erläutern, nicht nur berufliche „Orientierung/Arbeitsuche“, sondern auch Reisen, größere private Projekte (Umzug) oder die Pflege Angehöriger. Im Bewerbungsschreiben sollten Sie Ihre Kompetenzen nur profilieren, ohne die Inhalte des Lebenslaufs zu wiederholen, dafür vor allem über Ihre Motivation für die Tätigkeit und das Unternehmen Auskunft geben. Etwas Persönliches, das in Erinnerung bleibt, könnte von Vorteil sein.

Grundsätzlich ist Authentizität wichtiger als völlige Ehrlichkeit, z.B. im Bewerbungsgespräch: sich natürlich geben, ohne sämtliche Schwächen und Probleme auf dem Silbertablett zu servieren. Planen Sie unbedingt Ihre Selbstpräsentation und die Beantwortung schwieriger Fragen, üben Sie es mit einem Handy-Video sowie mit Bekannten, Freunden und holen ein ehrliches Feedback ein, und üben Sie nochmals, bis Sie zufrieden sind.

Zum Abschluss noch ein ganz entscheidender Tipp: Halten Sie sich Ihre Ziele vor Augen, die Sie mit Ihrer Bewerbung erreichen wollen. Sei es finanzielle Unabhängigkeit, neue Erfahrungen und Perspektiven zu gewinnen oder eine neue Struktur in ihren Alltag zu bringen. So überwinden Sie eher Ihre Ängste vor Rückschlägen und können diese sportlich nehmen. Denn wie im Sport heißt es beim Bewerben: Übung macht den Meister!

Zur Autorin: Sabine ist Karriere-Coach am INQUA Institut für Coaching
Webseite: http://www.sabine-letzner.de/blog.html
Sabine schreibt im eigenen Blog unter: https://jobcoaching1sabineletzner.wordpress.com/

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