Vorbereitung Vorstellungsgespräch: 10 Tipps, um entspannt zu bleiben
Vorstellungsgespräche sind für die meisten Menschen eine echte Herausforderung und oft verbunden mit Lampenfieber, Nervosität, Stress und manchmal sogar mit Blackouts. Das muss nicht sein: Wir zeigen dir, was du zur Vorbereitung tun kannst, um souverän und gelassen zu bleiben und dich wohl in deiner Haut zu fühlen.
Stress dich nicht selbst
Das Vorstellungsgespräch ist fast mit einem Rendezvous zu vergleichen: In dem Gespräch versuchen Menschen, herauszufinden, ob sie zueinander passen. Die Erwartungen und Ansprüche sind auf beiden Seiten hoch. Doch wie schaffe ich es, sicher, kompetent und souverän zu wirken?
INQUA Karriere-Coach Stefan Pinter ist auch Improvisationsexperte und kennt sich mit dem Thema gut aus: „Man muss kein Schauspieler sein, um in einem Vorstellungsgespräch eine gute Performance abzuliefern. Es sind oft kleine Sachen, die man ändern kann und durch die man eine große Wirkung erzielt.“ Er weiß aus Erfahrung: „Stress dich nicht selbst. Lampenfieber ist völlig natürlich und macht uns sogar gut: Es führt dazu, dass wir Adrenalin ausstoßen, dadurch sind wir aufmerksamer und konzentrierter.“ Das wirkt sich entsprechend positiv aus.
Der Coaching- und Improvisationsexperte empfiehlt, unsere Aufmerksamkeit auf folgende Frage zu lenken: „Was sollen meine Botschaften sein? Konzentrieren Sie sich auf das Gespräch und richte deinen Fokus auf diese Aufgabe und auf deinen Gesprächspartner. Frage dich selbst: Was kann ich sagen, um meinen Gesprächspartner zu inspirieren oder gar zu begeistern?“ Im Karriere-Coaching greift er auf einfache Bühnentipps zurück, die für die Vorbereitung auf ein Vorstellungsgespräch sehr nützlich sind: „Ich kann mir vorstellen, dass ich jetzt Spaß haben werde, dass es eine gute Erfahrung sein wird. Ziehen Sie dafür kurz die Augenbrauen hoch – das bedeutet, ich bin neugierig: Was wird jetzt passieren? Jetzt geschieht etwas Großartiges.“
Die Körpersprache als nonverbale Kommunikation sollte im Bewerbungsgespräch nicht unterschätzt werden, beispielsweise eine aufrechte Körperhaltung. Stefan Pinter verrät einen weiteren Theatertrick: „Fake it, till you make it.“ Soll heißen, wenn wir den Eindruck erwecken, wir seien etwas, fühlen wir auch so. Wie das geht? „Es braucht gar nicht so viel mehr: Setze einfach zehn Prozent mehr Energie als gewöhnlich ein“, so der Rat vom Profi.
Denke positiv
Vorbereitung auf das Bewerbungsgespräch
Schau dir bei deiner Vorbereitung auf das Bewerbungsgespräch das Stellenprofil genau an und nimm insbesondere die Aufgabenvoraussetzungen unter die Lupe. Informiere dich im Vorfeld gründlichst über das Unternehmen, lies auch die Sparte der Website „Wir über uns“. Suche im Netz nach aktuellen Zeitungsartikeln oder anderen Informationen über die Firma. Auch die Social-Media-Präsentationen solltest du nicht vernachlässigen, hier erfährst du viel über die aktuelle Situation des Unternehmens.
Eine weitere Idee ist es, dich in deinem Freundes- oder Bekanntenkreis umzuhören: Vielleicht kennt ja jemand eine:n derzeitige:n oder ehemalige:n Mitarbeiter:in? Vielleicht gelingt es dir, diese Person kennenzulernen und eventuell zum Kaffee einzuladen; möglicherweise hörst du interessante Insidergeschichten. Umso besser du dich informierst, desto sicherer wirst du dich fühlen. Außerdem kann dich ein fundiertes Wissen über die Firma positiv von deinen Mitstreiter:innen abheben. Das wird deinem Gesprächspartner nicht entgehen, eventuell wird er oder sie sich gar geschmeichelt fühlen.
Bereite auch alle Unterlagen, die du ins Vorstellungsgespräch mitnehmen möchtest, gründlich vor und lege alles zurecht. Dazu können Arbeitsproben in Form von Originalen, Fotos, Texten oder sogar als Film zählen.
Übe das Vorstellungsgespräch zu Hause ein
Zeige deine Begeisterung
Gundula Brammer gibt folgenden Rat: „Ganz wichtig ist eine gute Selbstpräsentation, das heißt, ich beschreibe mich mit meinen Kompetenzen und Erfahrungen. Dabei sollte spürbar werden, dass ich richtig Lust auf diesen Job habe: Ich finde die Aufgaben reizvoll und spannend und das Unternehmen klasse.“ Ihre Entscheidungen als ehemalige Personalmanagerin beschreibt sie so: „Springt bei einem Bewerber der Funke über, dann habe ich das immer daran festgemacht, wenn ich bei dem einen oder anderen so ein Leuchten in den Augen gesehen habe. Ich habe gemerkt, da freut sich jemand, da möchte jemand wirklich zu uns kommen. Das ist der entscheidende Moment, da wird man als Personaler oder Führungskraft zuversichtlich. Das gelingt am besten, wenn man sich vorher sehr intensiv mit dem Unternehmen auseinandergesetzt hat: Warum finde ich das Unternehmen gut? Was finde ich an der Aufgabe spannend? Denn nur, wenn ich selbst überzeugt bin, kann ich auch andere überzeugen.“
Stefan Pinter sieht das ganz ähnlich: „Bring deine positiven Emotionen zum Ausdruck, das macht das Gesagte generell interessanter und verständlicher.“ Denn emotionale Botschaften spielen eine wichtige Rolle: „Spürst du die Leidenschaft, wird das beim Gegenüber ankommen.“
Welche Fragen kannst du im Vorstellungsgespräch erwarten?
Beachte zunächst die „50:50“-Regel im Vorstellungsgespräch: Reden und Zuhören sollten möglichst gleich verteilt sein. Es ist wissenschaftlich belegt, dass diese Art der Gespräche am erfolgreichsten ist. Wer zu viel über sich selbst redet, wirkt schnell so, als seien die Bedürfnisse des Unternehmens weniger wichtig. Wer hingegen zu wenig sagt, hinterlässt möglicherweise den Eindruck, etwas verbergen zu wollen. Eine weitere Regel lautet: Deine Antworten sollten mindestens 20 Sekunden und höchstens zwei Minuten lang sein.
Gundula Brammer weist darauf hin: „Die Gesprächsführung hat der Einladende, daher solltest du das Gespräch nicht an dich reißen. Manche reden sich um Kopf und Kragen, weil sie alles richtig machen wollen. Lieber mal eine Pause machen oder explizit nachfragen: Hat das Ihre Frage beantwortet? Habe ich das richtig verstanden? Interessiert Sie noch ein anderes Thema?“ Da das Vorstellungsgespräch ein Dialog sein sollte, sind Rückfragen ausdrücklich erwünscht. Dazu gehört auch, kurz innezuhalten und Stille auszuhalten, um die eigenen Gedanken zu sortieren.
Zu den entscheidenden fünf Fragen im Vorstellungsgespräch, die dir dein potenzieller Arbeitgeber mit hoher Wahrscheinlichkeit stellen wird, zählen folgende:
- Warum bist du hier? Oder anders formuliert: Warum bewirbst du dich genau hier und nicht woanders?
- Was kannst du für uns tun? Hier geht es um deine Kompetenzen und dein Verständnis für das Fachgebiet des Unternehmens.
- Was bist du für ein Mensch? Dein Gegenüber möchte herausfinden, ob du zum Unternehmen passt und ähnliche Werte vertrittst.
- Was unterscheidet dich von den anderen Kandidat:innen? Hier kannst du deine Stärken und deine Motivation noch einmal klar herausstellen.
- Bist du für das Unternehmen bezahlbar? Diese Frage kommt meist am Ende des Gesprächs. Es ist sinnvoll, sich drei Gehaltsvorstellungen zu überlegen: eine ambitionierte, eine realistische und eine Mindestgrenze
Der Klassiker ist mehr eine Aufforderung als eine Frage: Erzähle etwas über dich! In dieser Frage steckt viel Potenzial: „Das ist meine Bühne. Als Bewerber:in kannst du die Chance nutzen, nicht einfach deinen Lebenslauf nachzuerzählen, sondern Bezug darauf zu nehmen und eine Geschichte zu erzählen. Ideal ist, wenn diese Geschichte zum heutigen Zeitpunkt führt und begründet, weshalb du jetzt in diesem Unternehmen arbeiten möchtest“, so die Karriere-Expertin.
Überlege dir Antworten auf die Frage nach deinen eigenen Stärken und Schwächen
Unter Umständen werden diese Fragen nicht explizit gestellt, sondern auf subtile Art und Weise – oft mit dem Ziel, mehr über deine Stärken und Schwächen zu erfahren. Gundula Brammer rät dazu: „Es geht nicht um perfekte Antworten. Es geht darum: Wie gestalte ich das Gespräch, was kann ich dazu beitragen?“ Immer wieder stellt sie fest, dass „Bewerber:innen Prüfungsangst vor dem Vorstellungsgespräch haben. Das ist nicht nötig. Du darfst nervös sein, aber du solltest ein Vorstellungsgespräch nicht mit einer Prüfung verwechseln. Es geht um ein Kennenlernen und um ein gutes Gespräch.“
So sieht das auch Stefan Pinter: „Es ist wie beim Storytelling: In Erfolgsgeschichten, wie ich Krisen bewältige, steckt viel Bedeutung. Wie argumentiere ich? Es geht nicht darum, einen monotonen Vortrag zu halten, sondern dein Gegenüber in deine Geschichte mitzunehmen. Der Maßstab ist immer die Aufmerksamkeit des Gegenübers – und die ist begrenzt.“ Mache dir unabhängig von der Position bewusst: Auf welche Kompetenzen kommt es dem Unternehmen an? Hebe diese – vorausgesetzt, du besitzt sie wirklich – im Vorstellungsgespräch hervor und begründe sie anhand konkreter Beispiele.
Ehrlichkeit ist auch im Umgang mit Schwächen gefragt. Gundula Brammer empfiehlt hierzu: „Es ist immer gut, wenn ich mich öffne und mich als Mensch zeige, indem ich zum Beispiel sage: Ich bin der Liebe wegen umgezogen. Nicht zu kompliziert denken, sondern lieber sagen, was ist.“ Auch kritische Momente oder unangenehme Situationen – etwa ein skeptischer Blick deines Gegenübers – sind kein Grund zur Verunsicherung. Das bestätigt auch Stefan Pinter: „Fehler sind unvermeidlich. Wir müssen spontan agieren. Wir können uns noch so gut vorbereiten – wir wissen nie genau, was passiert. Aber wir haben alle die Fähigkeit, spontan zu reagieren, denn Menschen sind assoziative Maschinen: Egal was kommt, uns fällt immer etwas ein.“
Wie lauten deine eigenen Fragen an das Unternehmen?
Vorbereitung auf das Vorstellungsgespräch:
1. Recherchiere gründlichst über das Unternehmen
2. Überlege dir Antworten und wie deine eigenen Fragen lauten
3. Übe deine Selbstpräsentation im Rollenspiel ein
4. Bleib positiv positiv und zeige Begeisterung
5. Lerne, mit einfachen Übungen entspannt zu bleiben
6. Glaube an dich selbst!
Wähle ein passendes Outfit
Entscheidend ist, dass du dich in deinem Outfit hundertprozentig wohlfühlst. Ein modisches Erscheinungsbild unterstützt dein sicheres und selbstbewusstes Auftreten im Bewerbungsgespräch und ist nach wie vor ein Aspekt, mit dem du auf den ersten Blick punktest. Grundsätzlich kann gesagt werden, dass ein elegantes Understatement besser ankommt als eine extravagante Aufmachung. Für Frauen gilt, dass der Rock nicht zu kurz, der Ausschnitt nicht zu tief und der Lippenstift nicht zu knallrot sein sollte. Für Männer sind Krawatten heute nicht unbedingt mehr Pflicht, dafür sollte die Farbe von Schuhen und Gürtel übereinstimmen und das Hemd langärmelig sein. Natürlich kommt es immer etwas auf die Branche und auf deinen eigenen Stil an. Schuhe sind bei beiden Geschlechtern ein wichtiges Element im Outfit, worauf besonders geachtet wird und die geputzt sein sollten. Auch lohnt es sich, am Abend vor dem Interview die Kleidung auszuwählen und zurechtzulegen. Frisch geduscht zu sein, versteht sich von selbst, so wie für Männer, frisch rasiert zu sein. Der Hauch eines guten Duftes, aber eben nur der Hauch, kommt bei Frauen wie Männern gleichermaßen gut an.
Sorge dafür, entspannt zu sein
Zu guter Letzt seien noch diese einfachen, aber wirkungsvollen Vorbereitungen empfohlen: Mach doch am Abend vorher noch einen kleinen Spaziergang und versuche, nicht zu spät schlafen zu gehen, damit du an deinem großen Tag ausgeruht bist. Iss am Abend vorher oder vor dem Gespräch nicht zu schwer und verzichte auf Alkohol; trinke stattdessen ausreichend Wasser. Und vor allem: Denke positiv – es wird schon!
Über den Autor:

Johannes Gramß ist Diplom-Psychologe und Geschäftsführer des INQUA-Instituts. Sein Schwerpunkt liegt in der Konzeptentwicklung für Digitales Coaching mit ansprechenden, wirkungsvollen Lernarchitekturen. Er beschäftigt sich zudem mit dem Nutzen von persönlichen Ressourcen und dem Bearbeiten innerer Barrieren bei der beruflichen Neuorientierung sowie dem psychologisch geschickten Umgang bei digitalen Auswahlprozessen für Bewerbende.
Weitere Links zum Thema:
https://www.inqua-institut.de/blog/vorstellungsgespraech/10-top-tipps-bewerbungsgespraech/
www.inqua-institut.de/blog/vorstellungsgespraech/gehaltsverhandlung-tipps/
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Storytelling im Bewerbungsgespräch – Tipps vom Impro-Profi
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