18.08.2023
Lesezeit 13 Min
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Persönliche Ressourcen erkennen & stärken – Coaching-Methode Ressourcenbaum

Das Leben hält immer wieder Herausforderungen für uns bereit – beruflich wie privat. Dabei stehen wir jedes Mal erneut vor der Frage, wie wir diese am besten bewältigen können. Jede:r von uns hat über die Jahre seine eigenen Ansätze entwickelt. Doch gerade, wenn die Herausforderung besonders groß erscheint und wir nicht wissen, wo wir am besten ansetzen sollen, erweist es sich als äußerst hilfreich, die eigenen Ressourcen zu kennen und in den jeweiligen Lebenssituationen gezielt auf diese zurückzugreifen. Somit hilft dieses Wissen auch, zusätzlichen Stress zu vermeiden. Was genau Ressourcen sind, wie der Ressourcenbaum als Coaching-Methode Ihnen helfen kann, diese zu erkennen und zu stärken, und wie du deine Ressourcen effektiv im Alltag nutzen kannst, erfährst du in diesem Blogartikel.

Was genau sind Ressourcen?

Ressourcen sind die inneren und äußeren Faktoren, die dir als Mensch zur Verfügung stehen und dich in unterschiedlichen Lebensbereichen unterstützen. Dazu zählen beispielsweise persönliche Stärken, Fähigkeiten, Erfahrungen, Netzwerke oder finanzielle Mittel – um nur einige zu nennen. Indem du dir deine persönlichen Ressourcen bewusst machst und sie gezielt nutzt, kannst du deine Resilienz stärken und dich besser auf berufliche und persönliche Herausforderungen vorbereiten.

Der Begriff Ressourcen umfasst somit alle Kraftquellen, auf die du in bestimmten Situationen zurückgreifen kannst. Doch um aus diesen Kraftquellen schöpfen zu können, musst du sie erst einmal kennen. Dazu gibt es verschiedene Ansätze. Im systemischen Coaching kommt dabei häufig der Ressourcen- bzw. Lebensbaum zum Einsatz.

Der systemische Coaching-Ansatz betrachtet dich als Teil eines größeren sozialen und beruflichen Systems. In diesem System spielen Ressourcen eine zentrale Rolle, da sie deine Selbstwirksamkeit stärken, Lösungen fördern und Veränderungen im Kontext ermöglichen. Dabei werden vielfältige Ressourcen – einschließlich Soft Skills und immaterieller Eigenschaften – berücksichtigt, um positive Entwicklungen zu unterstützen. Um genau diese Kraftquellen „herauszufiltern“, wird im Ressourcen-Coaching der Lebensbaum genutzt.

Wozu dient der Ressourcenbaum?

Der Ressourcenbaum ist eine Coaching-Methode, die dir dabei hilft, deine Ressourcen und deren Beziehungen untereinander visuell darzustellen und so sichtbar zu machen. Die Übung unterstützt somit auch deine Persönlichkeitsentwicklung. Ähnlich wie ein Baum, der seine Wurzeln tief in der Erde verankert, um festen Halt zu finden, und seine Äste in den Himmel erhebt, um zu wachsen und zu gedeihen, ermöglicht dir der Ressourcenbaum, deine persönlichen Ressourcen zu strukturieren und zu verstehen, wie diese miteinander verknüpft sind.

Darüber hinaus eignet sich diese Übung, um (versteckte) Potenziale zu identifizieren, die bei der Lösung von Problemen und/oder der Erreichung eines Ziels hilfreich sind. Wie bereits erwähnt, sind die durch den Lebensbaum ermittelten Ressourcen äußerst vielfältig und können von Kompetenzen und Erfahrungen über Hobbys bis hin zu Beziehungen und einem bestimmten Umfeld reichen.

Da wir Menschen angesichts einer Herausforderung häufig dazu tendieren, uns auf das Negative zu konzentrieren und uns damit eventuell sogar selbst im Weg stehen, zeigt der Ressourcenbaum eine Alternative auf. Er eröffnet eine neue Perspektive – weg vom Negativen und hin zum Positiven, zum Nährenden. Mithilfe dieser Übung erfährst du nicht nur, welche Kraftquellen dir zur Verfügung stehen, sondern auch, wie du diese gewinnbringend einsetzen kannst – was wiederum dein Selbstwertgefühl steigert.

Die Übung des Stärkenbaums beruht auf grundlegenden Prinzipien der Positiven Psychologie, der Selbstwirksamkeitstheorie und systemischen Ansätzen im Coaching. Die Methode hat in der angewandten Psychologie und im Coaching-Bereich im Laufe der Zeit zunehmend Anerkennung gefunden. Die visuelle Darstellung der Ressourcen unterstützt die Festigung deiner Selbstwirksamkeit, die Ressourcenaktivierung und fördert die Identifizierung persönlicher Stärken und Fähigkeiten. Als eine Form der Metaphernnutzung kann der Lebensbaum komplexe Informationen vereinfachen und die Beziehung zwischen individuellen und systemischen Ressourcen verdeutlichen.

Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Erstellung eines Ressourcenbaums

Bevor du diese Übung entsprechend der folgenden Anleitung Schritt für Schritt eigenständig durchführst, solltest du dir ausreichend Zeit nehmen, eine angenehme Umgebung schaffen und in deinem Alltag auf Pause drücken, damit du dich voll und ganz auf die Übung einlassen kannst. Gehe die Methode außerdem spielerisch an und betrachte deine Ressourcen nicht als in Stein gemeißelt. Denn genau wie du dich im Laufe der Zeit änderst, können sich auch deine Ressourcen ändern und weiterentwickeln.

Für den Ressourcenbaum benötigst du lediglich ein Blatt Papier (gerne A3 oder größer) und Stifte in verschiedenen Farben.

Der Ressourcenbaum besteht aus folgenden Teilen und ist mit gewissen Fragen verbunden:

  • Wurzeln → meine Kraftquellen (Was nährt und stärkt mich?)
  • Stamm → mein Fundament (Was habe ich schon erreicht?)
  • Astwerk & Blätter → meine Kompetenzen (Was sind meine Fähigkeiten und Stärken?)
  • Früchte → meine Ernte (Was kann ich dadurch bereits ernten?)
  • Sonne → meine Visionen und Ziele (Wohin will ich wachsen? Was treibt mich an?)

Schritt 1: Zeichne einen Baum

Lege dein Blatt Papier im Hochformat aus und zeichne einen Baum mit Wurzeln, Stamm, Ästen und Blättern sowie eine Sonne. Sie dienen dir später als Gliederungshilfen deiner Ressourcen. Nutze beim Zeichnen das gesamte Blatt – du kannst dich an der Abbildung oben im Kasten orientieren.

Nun nimm dir Zeit für eine ehrliche Selbstreflexion. Identifiziere deine persönlichen Stärken, Fähigkeiten, Erfahrungen, Werte, Netzwerke, Lieblingsaktivitäten, finanziellen Mittel und sonstigen Unterstützungsquellen. Deine jeweiligen Ressourcen lassen sich dabei in unterschiedliche Ressourcengruppen – in diesem Fall Teile des Baumes – einteilen. Bitte beachte, dass die Grenzen fließend sind und bestimmte Ressourcen auch in mehrere Kategorien fallen können. Diese kannst du dementsprechend auch mehrmals eintragen. Beginne zunächst bei den Wurzeln.

Schritt 2: Wurzeln – Deine Kraftquellen

Die Wurzeln versorgen einen Baum mit Nährstoffen und verankern ihn. Fragen Sie sich an dieser Stelle:

  • Was gibt mir Halt?
  • Was gibt mir Kraft?
  • Was nährt mich?
  • Was stärkt mich?

Beispiele für Wurzelressourcen: Dein soziales Umfeld (Familie und Freund:innen), deine Hobbys, Reisen

Schritt 3: Stamm – dein Fundament

Der Stamm verleiht dem Baum Stabilität und ist somit das Fundament. Fragen Sie sich an dieser Stelle:

  • Was habe ich bereits erreicht?
  • Welche Erfolge habe ich schon gefeiert?
  • Was sind prägende Meilensteine (beruflich, privat und emotional) in meinem Leben?
  • Worauf bin ich stolz?

Beispiele für Stammressourcen: dein Studium, deine Beförderungen, deine Hochzeit, deine Weiterbildungen

Schritt 4: Astwerk und Blätter – Ihre Kompetenzen

Die Äste und Blätter hat der Baum über die Zeit ausgebildet und wachsen lassen – sie machen den Baum zu dem, was er ist, und einzigartig. Frage dich an dieser Stelle:

  • Was sind meine Hard Skills?
  • Worin bestehen meine Soft Skills?
  • Worin liegen meine Stärken?
  • Welche Fähigkeiten habe ich außerhalb meines beruflichen Umfelds erworben?

Beispiele für Ast- und Blätterressourcen: Fachkompetenzen (IT-Kenntnisse, Marketing, Pädagogik), soziale Kompetenzen (Beratungsfähigkeit, Kommunikationsfähigkeit, kritisches Denken).
Hierbei kannst du auch mit Ober- und Unterkategorien arbeiten. So könnte zum Beispiel ein großer Ast „Kommunikation“ heißen und von diesem gehen mehrere kleine Äste (Verhandlungssicherheit, Gesprächsführung, Beratungskompetenz) ab.

TIPP: Wenn du aktuell ein INQUA-Coaching mit High Profiling® durchläufst, kannst du dein Kompetenzprofil perfekt für Punkt 4 nutzen. Übertrage deine fachlichen und sozialen Kompetenzen aus dem Kompetenzprofil und bilde Kompetenzcluster. Das kann dir besonders dann helfen, wenn du den Ressourcenbaum nutzen möchtest, um neue berufliche Optionen zu entwickeln.

Schritt 5: Früchte – Ihre Ernte

Im Sommer oder Spätsommer treibt der Baum seine Früchte aus, die man ernten kann. Die Früchte sind somit das Ergebnis aus dem Zusammenspiel der Wurzeln, des Stammes, der Äste und Blätter. Fragen Sie sich an dieser Stelle:

  • Was kann ich dadurch bereits ernten?
  • Woran erfreue ich mich?
  • Wovon profitiere ich heute aufgrund meiner vorherigen Arbeit/Erfolge?

Beispiele für Fruchtressourcen: ein Beruf, der dich erfüllt, ein bestärkender Freundeskreis, ein gemütliches Zuhause, Freiheit, Gesundheit

Schritt 6: Sonne – Ihre Vision und Ziele

Die Sonne fördert das Wachstum des Baumes, wodurch er sich immer weiter entfalten kann. Sie ist in gewisser Weise auch eine Art Motor für den Baum, der ihn antreibt. Frage dich an dieser Stelle:

  • Wohin will ich wachsen?
  • Was treibt mich an?
  • Was möchte ich noch erreichen?
  • Wie sehen mein ideales Leben und meine Träume aus?

Beispiele für Sonnenressourcen: berufliche Weiterentwicklung, ein gemeinsames Hobby mit deinem:deiner Partner:in, persönliche/berufliche Ziele

Schritt 7: Das Gesamtbild betrachten

Nachdem du nun den Baum mit deinen persönlichen Kraftquellen geschmückt hast, kannst du dein Werk betrachten. Wenn möglich, führe diesen Schritt mit etwas Abstand durch. Frage dich, ob sich der Baum „komplett“ anfühlt oder ob du noch etwas hinzufügen oder ändern möchtest.

Wie fühlt es sich an, all deine Kraftquellen auf einer Seite zusammengetragen zu haben? Fühlst du dich nun gestärkter mit Blick auf aktuelle und zukünftige Herausforderungen? Überlege, wie deine Ressourcen miteinander interagieren und sich gegenseitig unterstützen können. Visualisiere diese Verknüpfungen gerne auch in Form von Linien oder Verbindungspunkten. Frage dich, welche Kraftquellen dir eher im beruflichen Kontext zugutekommen und welche im privaten.

 

Wie Sie Ihre Ressourcen im Alltag gezielt nutzen

Nachdem du deinen Ressourcenbaum erstellt hast, kannst du ihn als Tool nutzen, um deine Ressourcen im Alltag effektiv einzusetzen:

  • Identifiziere mögliche Engpässe: Achte auf Bereiche, in denen deine Ressourcen möglicherweise nicht ausreichend sind, und entwickle Strategien, um diese zu stärken.
  • Entscheidungsfindung: Konsultiere deinen Ressourcenbaum bei wichtigen Entscheidungen, um die Auswirkungen auf deine Ressourcen besser abzuwägen.
  • Zielsetzung: Nutze deinen Ressourcenbaum, um realistische Ziele zu setzen und zu planen, wie du deine Ressourcen optimal einsetzen kannst, um diese Ziele zu erreichen.
  • Selbstmotivation: Erinnere dich an deine Ressourcen, um Selbstvertrauen und Motivation zu stärken, wenn du mit Herausforderungen konfrontiert bist.
  • Netzwerken: Identifiziere über deinen Ressourcenbaum potenzielle Unterstützer:innen und Expert:innen in deinem Netzwerk, die dir bei bestimmten Herausforderungen weiterhelfen können.

Bitte beachte, dass es sich um ein dynamisches Tool handelt. Mit Zeit, Erfahrung und Selbsterkenntnis wird dein Ressourcenbaum weiter wachsen und sich verändern. Der Prozess der Erstellung und Pflege deines Ressourcenbaums kann dazu beitragen, dein Bewusstsein für deine Fähigkeiten zu steigern und dich dazu ermutigen, deine Potenziale voll auszuschöpfen.

Bei der Durchführung dieser Übung stellst du möglicherweise fest, dass es dir schwerfällt, deine eigenen Kompetenzen, Stärken oder Werte zu identifizieren – und dass du dir Unterstützung wünschst. Im Rahmen des Karriere-Coachings bei INQUA erhältst du zu Beginn des Prozesses ein umfassendes Kompetenzprofil High Profiling®. Dieses Profil wird auf Grundlage eines Interviews mit deinem:deiner persönlichen Coach erstellt und zeigt dir deine fachlichen sowie sozialen Kompetenzen auf.

Du erhältst eine detaillierte Übersicht über deine Stärken und Potenziale, die dir hilft, in Kombination mit deinem Coaching Veränderungen anzustoßen und deine beruflichen Ziele erfolgreich zu verfolgen. Darauf aufbauend kannst du gemeinsam mit deinem:deiner Coach Übungen zum Ressourcenmanagement und zur Ressourcenstärkung durchführen, um berufliche sowie private Herausforderungen zu meistern.

Wenn du noch tiefer in die Thematik des Ressourcenbaums einsteigen möchtest, empfehlen wir dir die Podcastfolge „Der Ressourcenbaum als Coaching-Übung zum Mitmachen“ mit Jochen Ziepke. In dieser Folge erhältst du weitere Einblicke rund um das Thema Ressourcen und bekommst Beispiele aus einem persönlichen Lebensbaum an die Hand, die dir ebenfalls als Anregung dienen können.

 Mit dem Wissen um Ihre Ressourcen sind Sie erfolgreicher aufgestellt – beruflich und privat

Das Erkennen und Stärken deiner eigenen Ressourcen ist von entscheidender Bedeutung für deine berufliche und persönliche Entwicklung. Dabei ist der Ressourcenbaum eine effektive Coaching-Methode, die dich dabei unterstützt, deine Ressourcen zu visualisieren und ihre Bedeutung zu erkennen. Durch die bewusste Nutzung deiner Ressourcen im Alltag kann deine Resilienz stärken, deine Ziele schneller erreichen und mit Zuversicht auf kommende Anforderungen reagieren. Nutze den Ressourcenbaum als Tool, um deine berufliche Laufbahn erfolgreich zu gestalten und ein erfülltes Leben zu führen.

Über den Autor:

Johannes Gramß
Johannes Gramß

Johannes Gramß ist Diplom-Psychologe und Geschäftsführer des INQUA-Instituts. Sein Schwerpunkt liegt in der Konzeptentwicklung für Digitales Coaching mit ansprechenden, wirkungsvollen Lernarchitekturen. Er beschäftigt sich zudem mit dem Nutzen von persönlichen Ressourcen und dem Bearbeiten innerer Barrieren bei der beruflichen Neuorientierung sowie dem psychologisch geschickten Umgang bei digitalen Auswahlprozessen für Bewerbende.

Weitere Links zum Thema: 

Ressourcenorientiert: das Genogramm im Karriere-Coaching

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