Veröffentlicht:27.12.2022
Lesezeit:10 Min

Autor:in: Johannes Gramß

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Berufliche Vorsätze für das neue Jahr umsetzen – so gelingt’s

Ein bewegtes Jahr endet, ein neues beginnt. Die Pandemie gilt, zumindest gefühlt, als weitgehend überwunden – und macht anderen globalen Krisen Platz wie dem schrecklichen Krieg in der Ukraine, dessen wirtschaftliche Folgen mittlerweile global spürbar sind. Bei so hoher Ungewissheit darüber, was die Zukunft bringt, werden auch bei diesem Jahreswechsel Neujahrsvorsätze Konjunktur haben. Stabilität durch Zuversicht! Doch viele ehrgeizige Pläne verlieren sich innerhalb der ersten Monate. Alle Jahre wieder. Wie ist das zu erklären?

Gut gemeint – das Phänomen der Neujahrsvorsätze

Neujahrsvorsätze haben einen zweifelhaften Ruf. So ernst sie gemeint sein mögen, so zuverlässig scheinen sie in die Binsen zu gehen. Tatsächlich ist das Timing nicht optimal. Denn was kommt vor dem Jahreswechsel? Da wäre zunächst die geschäftige Vorweihnachtszeit, in der Besorgungen aller Art gemacht werden und ein Marathon an Verwandtschaftsbesuchen ansteht. Dann folgen die Feiertage, an denen übersteigerte Harmonie-Wünsche auf eine aufreibende Realität treffen. Kurzes Luftholen und Entspannen zwischen den Jahren. Zu guter Letzt die Festivitäten zum Jahreswechsel, die mehr oder minder exzessiv ausfallen. Nach all dem sollen nun die guten Vorsätze mit höchster Disziplin umgesetzt werden.

Ganz zu schweigen davon, dass der Jahreswechsel im tiefsten Winter liegt. Wenig Sonne, die mentalen Akkus sind leer und es dauert noch mindestens drei Monate, bis sich der Frühling blicken lässt. Edle Absichten, die also zur Unzeit kommen? Oder steckt mehr dahinter?

Verworfene Neujahrsvorsätze – mehr als nur ein Klischee

Dass viele Neujahrsvorsätze scheitern, ist keineswegs nur ein Klischee. So können die Betreiber von Fitnessstudios alljährlich zum Jahresbeginn viele neue Mitglieder begrüßen. Die meisten beenden das Training nach kurzer Zeit. Ausgehend von Umfragen und Erfahrungswerten scheitern schätzungsweise 80 Prozent der Neujahrsvorsätze bis Februar.

Was genau läuft schief? Während die Gründe von Person zu Person variieren, gibt es typische Denkfehler, die du vermeiden kannst, wenn du private und berufliche Vorsätze fürs neue Jahr umsetzen willst.

5 häufige Fehler, durch die gute Vorsätze scheitern können

1. Das Ziel ist nicht attraktiv

Oftmals machen wir es uns unnötig schwer, indem wir Ziele negativ formulieren, zum Beispiel als Verbote oder Verzichtsbekenntnisse. Beliebt sind „Aufhören mit dem Rauchen!“, „Nie wieder Süßigkeiten!“. Diese Formulierungen können uns sogar mehr schaden als nutzen, denn zusätzlich zur Motivationsbremse kommt die Selbstverurteilung, wenn es nicht funktioniert. Empfehlenswert ist es stattdessen, einen attraktiven Zielzustand zu formulieren und die Veränderungsschritte in Aktionen zu beschreiben. Zum Beispiel: „Ich bin gesund und fühle mich wohl in meinem Körper. Dazu ernähre ich mich ausgewogen und treibe regelmäßig Sport, und zwar jeden Montag und Donnerstag.“ Mein Tipp: Stell dir diesen Zielzustand vor deinem inneren Auge vor und nimm dir Zeit, ihn zu visualisieren.

 

2. Zu hohe Maßstäbe

Veränderungen lassen sich nur schwerlich erzwingen. Besonders dann, wenn die Ziele unrealistisch hoch sind. Es ist zwar leicht, ambitionierte Vorsätze zu formulieren, vor allem wenn es erst nächstes Jahr mit der Umsetzung losgeht. Doch dann kommt der Tag X und plötzlich wird der Vorsatz über Nacht zum Maßstab. Dies kann dazu führen, dass du im Stillen aufgibst, bevor du überhaupt anfängst. So ist die Enttäuschung vorprogrammiert. Sei stattdessen lieber ehrlich zu dir und formuliere ein erreichbares Ziel. Auch kleine Schritte können uns wesentlich weiterbringen. Große Veränderungen beginnen wie jede Reise mit dem ersten Schritt. Wenn du dich hiervon angesprochen fühlst, probier einmal Folgendes aus. Frag dich: „Was ist der kleinste Schritt, den ich tun könnte, um meinen Zielzustand zu erreichen?“ Du kannst immer noch eine Schippe drauf packen, bis du die richtige Dimension für dich gefunden hast. Es ist viel leichter, vom Kleinen aus zu denken, um nicht beim Anblick des Berges zu kapitulieren.

 

3. Zu hohe Erwartungen von außen

Sind die Neujahrsvorsätze wirklich deine Ziele? Warum sind diese Ziele wichtig für dich? Wie würde das Erreichen dieser Ziele dein Leben beeinflussen und welches Gefühl löst dies aus? Wenn du diese Fragen nicht einfach beantworten kannst, nimm dir die Zeit dafür. Wenn du auch nach längerer Reflexion keine überzeugenden Antworten hast, solltest du die Vorsätze hinterfragen. Möglicherweise sind es eher die Erwartungen deiner Umwelt. Dies führt zu Unsicherheit über deine Ziele und schafft Raum für Resignation und Zweifel. So kann eine innere Distanz zwischen deinen formulierten Zielen und deinen eigentlichen Bestrebungen entstehen. Du kannst dir vorstellen, dass das nicht langfristig gut geht, oder?

 

4. Mangelnde Geduld

Nach Zielen zu streben, auf diese hinzuarbeiten und dabei geduldig zu bleiben, ist nicht immer einfach. Vielleicht hast du vor ein Instrument zu lernen oder regelmäßig zu meditieren? Besonders bei der Etablierung neuer Gewohnheiten brauchst du einen langen Atem. Wusstest du, dass es durchschnittlich ca. 60 Tage braucht, bis du eine neue Gewohnheit vollständig in dein System integriert hast? Vielleicht siehst du anfangs kaum Fortschritte und alles zieht sich viel mehr, als du es erwartet hast. Diese Enttäuschung führt leicht dazu, dass aufgeben nicht mehr als schmerzhaft, sondern als attraktiver Ausweg erscheint. Möglicherweise hinterfragst du den Wert des Ziels plötzlich. Hürden im Prozess werfen die Frage auf, ob es das Ganze eigentlich wert ist. Meine Tipps: Verbinde langfristig angelegte Ziele immer wieder mit kleinen Belohnungen zwischendurch und mach die Tätigkeit selbst attraktiv. Schaffe außerdem ideale Rahmenbedingungen und reduziere äußere Widerstände schon bei der Planung.

 

5. Rückschläge sind normal, schneller Wandel unwahrscheinlich

Individuelles Wachstum ist kein linearer Prozess. Sich selbst oder die eigene Lebenssituation zu verändern, mag attraktiv und wünschenswert erscheinen, doch bist du auch dafür bereit? Hast du ein unterstützendes Umfeld? Hast du Zugriff auf deine Ressourcen? Was brauchst du, um dafür bereit zu sein? Veränderungen benötigen Energie und sind zwangsläufig mit Rückschlägen und Herausforderungen verbunden. Bezieh diesen Faktor in deine Überlegungen mit ein und schaffe günstige Voraussetzungen. Diese können die Chancen auf Erfolg stark beeinflussen und sind langfristig vielversprechender als ein impulsiver Kaltstart Richtung Ziel ohne ausreichend Treibstoff im Tank.

 

Inspirationen für gute berufliche Vorsätze im neuen Jahr

Neben mehr Sport treiben, Gewicht abnehmen, mit dem Rauchen aufhören und sich gesünder ernähren, gehören auch berufliche Veränderungswünsche zu den beliebtesten Neujahrsvorsätzen. Das muss nicht darin gipfeln, dass du eine neue Stelle oder einen Berufswechsel anstrebst. Vielleicht möchtest du die Kolleg:innen besser kennenlernen oder dich an der Arbeit durch mehr Leistungen für Höheres empfehlen.

5 wirkungsvolle Neujahrsvorsätze

Im Folgenden finden sich einige Denkanstöße und Inspirationen, die uns durch unsere Coaches häufig mitgeteilt werden. Und das keineswegs zwingend nur zum Jahreswechsel.

  • Work-Life-Balance neu bewerten! Zu arbeiten ist heute in etlichen Berufsfeldern längst nicht mehr so standortgebunden, wie es konventionell oft noch wahrgenommen wird. Doch hybrid zu arbeiten ist nicht das Einzige, was du für deine Work-Life-Balance tun kannst. Mehr Tipps hierzu formuliert Frank Lemloh in unserem Podcast zu diesem Thema.
  • Der Rollenwechsel! Wer möchtest du sein in deinem System? Wie wirst du an der Arbeit wahrgenommen? Wünschst du dir hier eine Veränderung? Inwieweit liegt das an dir und inwieweit an deiner Arbeitsstelle – und welche Schlüsse ziehst du daraus? Definiere, wer du sein möchtest und welche Rolle sich insgesamt stimmiger anfühlt als der Jetzt-Zustand.
  • Tapetenwechsel bedeutet nicht immer Jobwechsel! Wenn du dich im Job unterfordert fühlst, orientiere dich um! Das bedeutet nicht zwingend, dass du einen neuen Arbeitgeber auftun musst. Du wünschst dir mehr Autonomie? Verhandle über Flexibilität bei der Arbeit. Wenn du mehr Verantwortung übernehmen möchtest, reflektiere mit einer Vertrauensperson oder Mentor:innen die Möglichkeit einer Führungsposition. Sei proaktiv, wenn es darum geht, das zu verfolgen, was du beruflich willst.
  • Erhöhe deinen Fokus! Verzettelst du dich regelmäßig bei zu vielen Projekten und Zielen gleichzeitig? Bist du vielleicht eine Scanner-Persönlichkeit und willst am liebsten „Alles!“, am besten „Jetzt“ und wenn möglich gleichzeitig? Atme durch und nimm dir Zeit, deine Ziele zu priorisieren und einen langfristigen Plan für deine Träume zu gestalten. Wir überschätzen gerne, was wir in einem Jahr schaffen können. Genauso unterschätzen wir, was wir in 5 oder gar 10 Jahren zu leisten vermögen.
  • Grenzen setzen und einhalten! Wenn du das Gefühl hast, ständig durch E-Mails oder durch Kolleg:innen unterbrochen zu werden und den Fokus zu verlieren, gilt es, Grenzen zu etablieren. Entschließe dich, deine Grenzen klar festzulegen und zu kommunizieren. Dazu gehört, feste Fristen und Aufgabengebiete festzulegen, den Arbeitstag zu beenden und sich auf Privatleben, Freunde, Familie, Hobbys und andere persönliche Aspekte zu konzentrieren … oder einfach mal: Gar nichts tun.

Der beste Vorsatz von allen: Gönn dir ein Coaching

Persönliche Ziele zu setzen und diese zu erreichen ist kein leichtes Unterfangen. Die Entscheidung für die professionelle Unterstützung durch ein Karriere-Coaching kann dir gerade bei der Entwicklung einer attraktiven Zielfindung und der Planung des dazugehörigen Weges viel Zeit und Nerven sparen – und es kann durchaus Spaß machen. Du brauchst dafür keinen Leidensdruck und keine vermeintlich ausweglose Situation. Auch wenn du deine Gedanken ein wenig klären willst und erste Impulse für einen Richtungswechsel suchst, kann ein zeitlich begrenztes Coaching-Angebot Sinn ergeben. Außerdem ist es ratsam, sich hin und wieder etwas zu gönnen, und sei es Quality Time mit fachkundigen Begleiter:innen.

Wir wünschen dir viel Erfolg und alles Gute beim Erreichen deiner Ziele.

Über den Autor:

Johannes Gramß
Johannes Gramß

Johannes Gramß ist Diplom-Psychologe und Geschäftsführer des INQUA-Instituts. Sein Schwerpunkt liegt in der Konzeptentwicklung für Digitales Coaching mit ansprechenden, wirkungsvollen Lernarchitekturen. Er beschäftigt sich zudem mit dem Nutzen von persönlichen Ressourcen und dem Bearbeiten innerer Barrieren bei der beruflichen Neuorientierung sowie dem psychologisch geschickten Umgang bei digitalen Auswahlprozessen für Bewerbende.

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