Vom richtigen Umgang mit Stress in der Arbeitslosigkeit

Nicht nur Berufstätige, auch Arbeitssuchende und Menschen, die sich zu Hause um Kinder oder die Pflege von Angehörigen kümmern, leiden unter Stress. Oftmals ist der Stress bei Menschen, die sich auf Arbeitssuche befinden sogar höher und kann zur Belastung werden. Zu diesem Ergebnis kam die DAK kam in einer Untersuchung zu chronischem Stress in der Altersgruppe der 25- bis 40-Jährigen. Ein Karriere-Coaching kann Sie in Drucksituationen unterstützen und Ihnen dabei helfen mit Stress richtig umzugehen.

Arbeitslosigkeit als Stressfaktor

Frau S. hat ihren Arbeitsplatz verloren, nachdem sie dort schon über einen längeren Zeitraum hinweg sehr unzufrieden war. Die Tätigkeit füllte sie nicht mehr aus, sie erhielt keine Anerkennung für ihre Arbeit, Entwicklungsmöglichkeiten fehlten. Irgendwann schlichen sich kleine Fehler ein: Frau S.  ließ wiederholt Fristen verstreichen, verärgerte einen wichtigen Kunden mit einer unbedachten Äußerung… Gleichwohl war die Kündigung ein Schock, zumal die Familie dringend auf ihr Einkommen angewiesen war. Frau S. hat inzwischen zahlreiche Bewerbungen verschickt und Absagen erhalten. Ihren Vertrag mit dem Fitness-Studio hat sie gekündigt. Auch ansonsten geht sie immer weniger aus dem Haus – hauptsächlich um Geld zu sparen, aber auch, weil Sie nicht auf Ihre Situation angesprochen werden möchte und weil sie sich irgendwie verpflichtet fühlt, ihre „freie Zeit“ der Familie und dem Haushalt zu widmen. Trotz ihrer aufopfernden Haltung ist die Stimmung zu Hause schlechter denn je. Frau S. leidet mittlerweile unter Schlafstörungen und ist bereit, praktisch jede Stelle zu akzeptieren.

Berufstätigkeit sorgt im Normalfall nicht nur für ein geregeltes Einkommen, finanzielle Unabhängigkeit und Sicherheit. Sie strukturiert auch den Tag und ermöglicht soziale Kontakte, Austausch und Anerkennung. Schon freiwillige Auszeiten (z. B. Elternzeit) können daher das Selbstwertgefühl beeinträchtigen und zu sozialen Einschränkungen führen. Müssen zusätzlich eine Kündigung und Rückschläge bei der Jobsuche verkraftet werden, kommt es schnell zu Schuld- und Versagensgefühlen, einem Verlust von Selbstachtung, Existenzängsten und sozialem Rückzug. Die negativen Auswirkungen beeinflussen und verstärken sich dabei oftmals gegenseitig und können zu erheblichen gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen.

Belastungen und Stress ernst nehmen

Wenn es Ihnen auch ein bisschen geht wie Frau S., wird es höchste Zeit, die Arbeitslosigkeit als Stressfaktor anzuerkennen und ernst zu nehmen. In der Folge wird es Ihnen besser gelingen, einen guten Umgang mit der schwierigen Übergangssituation finden. In erster Linie geht es natürlich darum, möglichst schnell wieder einen passenden Arbeitsplatz zu finden. Bewerben Sie sich bei den richtigen Arbeitgebern auf die richtigen Stellen? Sind Ihre Bewerbungsunterlagen passgenau und formal einwandfrei? Wenn Sie sich selbst nicht sicher sind und Sie keinen erfahrenen Personaler in der Familie oder im Freundeskreis haben, macht es Sinn, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Eine Coaching-Maßnahmen können Sie komplett über Aktivierungs- und Vermittlungsgutscheine (AVGS) finanzieren. Im Rahmen eines Karriere-Coachings gewinnen Sie wieder Zugang zu Ihren Stärken, Interessen und Werten und verbessern so Ihr Selbstwertgefühl. Außerdem können Sie mögliche Entwicklungsfelder und hinderliche Denk- und Verhaltensmuster reflektieren und durch förderliche Einstellungen ablösen. Vielleicht zeigt sich im Verlauf des Prozesses, dass Sie sich schon längst in eine andere Richtung orientieren wollten, aber nicht den Mut hatten selbst zu kündigen. Ein Coaching unterstützt Sie beim Entwickeln und bei der Umsetzung einer beruflichen Vision.

Gut für sich sorgen

Wichtig ist außerdem, in der Zeit der Arbeitslosigkeit gut für sich zu sorgen. Auch wenn sie die Chance für einen Neuanfang oder sogar für eine überfällige Neuausrichtung in sich birgt, empfinden die meisten Menschen die Situation als kränkend und belastend. Schaffen Sie einen positiven Ausgleich, indem sie für ausreichend Bewegung sorgen. Ein Sportverein kann eine gute Alternative zum teuren Fitness-Studio sein. Aber auch sonstige Hobbies und soziale Kontakte fördern den Stressabbau und die Stressprävention.

Bei welchen Aktivitäten können Sie am besten abschalten? Was bereitet Ihnen besondere Freude? Egal, ob es Wanderungen im Umland sind, Kochabende mit Freunden oder das Angeln mit Ihrem Sohn. Planen Sie diese Kraftquellen in Ihren Alltag ein. Auch mit Achtsamkeitsübungen lässt sich das körperliche und seelische Gleichgewicht ohne großen Aufwand verbessern. Schließlich: (Re-)Aktivieren Sie Ihr soziales Netzwerk und sprechen Sie offen mit Ihren Freunden und Bekannten über Ihre aktuelle Situation. Wahrscheinlich wird Ihr Umfeld mit viel mehr Verständnis und Empathie reagieren als Sie sich das ausgemalt haben. Und wenn nicht: Sprechen Sie aus, was Sie stört und machen Sie deutlich, was Sie erwarten und brauchen.

Auf zu neuen Zielen!

Sie können mehr für Ihre Wohlbefinden und einen guten beruflichen Neustart tun, als Sie vielleicht auf den ersten Blick denken. Optimieren Sie Ihre Bewerbungsunterlagen und Ihre Bewerbungsstrategie – gegebenenfalls mit Hilfe eines zertifizierten Karriere-Coachings – und achten Sie auf Ihre innere Balance!

Dr. Anne Danco

Autorin: Dr. Anne Danco ist INQUA-Coach

Sie schreibt im eigenen Blog unter: www.annedanco.de/blog/

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