2. Teil unserer Serie: Konkrete Tipps zum Lebenslauf

Auf Ihren Lebenslauf kommt es an: Er ist das zentrale Element einer jeden Bewerbung und das Ticket für den Traumjob. Damit Sie ihn optimal gestalten und alle Möglichkeiten einer sich rasant verändernden Arbeitswelt mit zunehmend digitalen Anforderungen ausschöpfen können, geben wir Ihnen Tipps, worauf es wirklich ankommt.

In unserer dreiteiligen Serie nehmen wir den Lebenslauf unter die Lupe und betrachten Trends und konkrete Tipps für den Lebenslauf sowie den Umgang mit Lücken genauer. Nach der Vorstellung aktueller Trends durch fünf erfahrene INQUA Karriere-Coaches stellen wir in der zweiten Folge die Tipps vor, die sie Jobsuchenden für eine erfolgreiche Bewerbung mit auf den Weg geben. Wir bedanken uns ganz herzlich bei den Kollegen und Kolleginnen Dr. Urte Hotje, Sylvia Reckel, Johannes Junker, Petra Schreiber und Christine Yildirim für ihre wertvollen Hinweise.

In Teil 2 lautet unsere Frage:

Welche konkreten Tipps geben die Coaches ihren Klienten für einen perfekten Lebenslauf?

„Bei der Gestaltung des Layouts ist weniger manchmal mehr“ – Petra Schreiber

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Petra Schreiber ist INQUA Karriere-Coach aus Frankfurt

Petra Schreiber hat als ehemalige HR-Managerin einen scharfen Blick auf das, was ihr am Lebenslauf auffällt: „Der Lebenslauf ist nun mal das Herzstück der Bewerbung. Ich bin sehr darauf fixiert, meinen Coachees immer mit Bedacht Tipps dahingehend zu geben, wo Fragen beim Lesen auftauchen und vor allem wie viele und je nach Werdegang. Es ist ja nicht immer alles rund und auf den ersten Blick plausibel. Zwar gibt es keine DIN-Norm für Bewerbungsunterlagen, der Lebenslauf sollte jedoch so gestaltet werden, dass auf den ersten Blick die wichtigsten Details erkennbar sind, also auf jeden Fall tabellarisch.“ Und sie hebt hervor: „Ob der Lebenslauf nun chronologisch oder revers oder mit Kurzprofil vorgeschaltet oder gar ganz individuell gestaltet wird, hängt von den Coachees und der individuellen Situation ab. Bei der Gestaltung des Layouts muss ich ehrlich sagen, ist weniger manchmal mehr. Das geht auch vielen meiner Personaler-Kolleg:innen so. Die Unterlagen sollen optisch ansprechend sein, eine vernünftige Schrift und Schriftgröße haben. Gegebenenfalls können und sollen farbliche Akzente, aber ohne zu bunt oder schrill zu wirken, gesetzt werden.“ Sie führt ihre Erfahrungen noch etwas deutlicher aus: „Bei den ganzen Vorlagen aus dem Internet geht es zwar oft farblich hoch her und auf den ersten Blick optisch ansprechend, jedoch ist das Durcharbeiten des Curriculums oft eine kleinere Katastrophe. Hier sollten Coachees oder Bewerber aufpassen, denn die Bearbeitung ist oft sehr aufwendig und nervend, oft passt nicht alles rein, was rein sollte, und somit wird das Layout zerpflückt. Bewertungen wie Sprach- oder IT-Kenntnisse oder gar soziale Kompetenzen werden mit Pünktchen, Sternchen etc. angegeben, sind aber oft nicht klar in der Aussage. Bei diesen Lebensläufen muss man auch aufpassen, dass sie nicht durch die Tracking-Systeme fallen. Neulich habe ich mit einer Personalberaterin gesprochen, mit der ich seit vielen Jahren zusammenarbeite, die auch bestätigte: ‚Am liebsten sind uns die klassischen CVs ohne Schnickschnack‘. Personaler bevorzugen also grundsätzlich immer noch den klassischen Lebenslauf, da dieser klar strukturiert und übersichtlich ist. Um nichts anderes geht es.

„Wie beim Storytelling sollte stets der rote Faden erkennbar sein – Johannes Junker

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Johannes Junker ist INQUA Karriere-Coach aus Berlin

Für Johannes Junker sind bei der Gestaltung des Lebenslaufes weniger Trends, sondern Sorgfalt und Klarheit von größter Bedeutung: „Am wichtigsten ist für die Recruiter, möglichst schnell zu erkennen, ob eine Person für den Job die fachliche Qualifikation mitbringt. Unbedingt in den Lebenslauf reinmüssen: Ausbildungen, Berufserfahrungen und – ganz wichtig – sonstige Qualifikationen, die einen für die ausgeschriebene Stelle unverzichtbar machen. Die Mehrheit der Personaler legt großen Wert auf eine gute Übersichtlichkeit und Struktur.“ Zudem weist er darauf hin: „Wer bei der Bewerbung punkten will, sollte darauf achten, dass die Unterlagen fehlerfrei sind. Daher immer gegenlesen lassen. Denn auch ein ausgefallenes Design oder Arbeitsproben können eine fehlerhafte Rechtschreibung nicht ausmerzen.“ Der Lebenslauf sollte an die ausgeschriebene Stelle angepasst und die Fachkompetenzen sollten sichtbar gemacht werden: Hierfür erfolgt unter der beruflichen Station eine kurze stichpunktartige Aufzählung der tatsächlichen – und für die Stelle relevanten – Tätigkeiten. Insgesamt sollte der Lebenslauf „so kurz wie möglich, so lang wie nötig“ sein. Bei Berufserfahrenen dürfen es allerdings sogar bis zu drei Seiten Curriculum sein. Wichtig: „Wie beim Storytelling sollte stets der rote Faden erkennbar sein.“ Und dann gibt der Coach noch einen Tipp zum Thema Hobbys: „Hobbys bitte nur, wenn sie entweder für den Personaler sehr interessant sein könnten oder einen zusätzlichen Wert für den Job bieten.“

„Je aktueller die Position, umso mehr Beschreibungen“ – Dr. Urte Hotje

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Dr. Urte Hotje ist INQUA Karriere-Coach aus Hannover

Dass private Interessen und ehrenamtliche Tätigkeiten nur dann mit aufzulisten sind, wenn sie Bezug zum Job haben und relevante Kompetenzen unterstreichen, empfiehlt auch Dr. Urte Hotje. Auch sie plädiert dafür, den Lebenslauf individuell auf jede Stelle anzupassen und relevante Informationen entsprechend hervorzuheben: „Hier sollte man sich überlegen, welche Informationen für den zukünftigen Arbeitgeber wichtig sind, und diese Tätigkeiten oder Stationen besonders betonen.“ Sie weist darauf hin, dass „die Aufzählung in anti-chronologischer Reihenfolge erfolgen sollte, also mit der aktuellen Position gestartet werden soll. Für jede Position sollten die Tätigkeiten sowie spezifische Erfolge möglichst konkret aufgelistet werden. Hier gilt: Je aktueller die Position, umso mehr Beschreibungen.“ Das Gleiche gilt für die Tätigkeitsbeschreibungen: „Die Tätigkeiten sollten möglichst konkret sein, zum Beispiel ist ‚Leitung von Projekten im Energiesektor mit einem Projektumfang von bis zu 10 Millionen Euro‘ weitaus spezifischer als ‚Projektleitung‘. Bei der Nennung der Tätigkeiten ist zu berücksichtigen, dass sie für den zukünftigen Arbeitgeber interessant sein sollten, das heißt, die Anzahl und Reihenfolge werden entsprechend angepasst.“ Sie gibt einen weiteren wertvollen Tipp: „Klassifizieren Sie Ihre Sprach- und EDV-Kenntnisse: ‚Spanisch – verhandlungssicher‘ sagt mehr aus als ‚Spanisch‘.“

„Versetzen Sie sich in die Situation von Lesenden, die den Werdegang nicht kennen und noch viele andere Bewerbungen auf dem Tisch haben“ – Sylvia Reckel

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Sylvia Reckel ist INQUA Karriere-Coach aus Hannover

Auch ihre Kollegin Sylvia Reckel betont, „dass der Lebenslauf übersichtlich und leicht lesbar sein sollte, um schnell die wichtigen Informationen erfassen zu können“. Hilfreich dafür: „Versetzen Sie sich in die Situation von Lesenden, die den Werdegang nicht kennen und noch viele andere Bewerbungen auf dem Tisch haben. Sich in die Sichtweise der Lesenden zu versetzen, heißt für mich konkret: Der Lebenslauf sollte so übersichtlich gestaltet sein, dass es möglich ist, ihn in kurzer Zeit zu lesen und dabei das Wesentliche zu erfassen.“ Wie das aussehen sollte, erklärt sie direkt: „Aus eigener Erfahrung empfehle ich, an der linken Seite eine Spalte mit den jeweiligen Zeiten zu setzen, Monats- und Jahresangaben sind dabei ausreichend. Zu den einzelnen Beschäftigungsverhältnissen in der rechten Spalte gehören die jeweilige Position, der Name des Unternehmens und der Ort. Darunter kommen die jeweiligen Aufgaben in Stichworten, gerne mit Spiegelstrichen, damit es sich leicht liest, aber bitte nicht mehr als fünf bis sieben Punkte aufzählen.“ Einen speziellen Tipp hat sie für Führungskräfte: „Bei Führungskräften mit Personalverantwortung sollte auch immer die Führungsspanne angegeben werden. Im höherwertigen Managementbereich kann man noch die Erfolge aufführen – möglichst konkret, und zwar in monetären Angaben –, um deutlich zu machen, welchen Nutzen man dem Unternehmen jeweils gebracht hat. Sollten hier sehr viele Angaben zu machen sein, ist es gut, die Erfolge auf einem gesonderten Blatt aufzuführen.“ Auch zum Layout bezieht Sylvia Reckel klar Stellung: „Ein ansprechendes Layout kann auf die Lesenden positiv wirken. Es sollte aber nicht übertrieben werden, also bitte keine knalligen Farben oder zu viele Icons.“

„Ein Lebenslauf sollte alles, soweit möglich, nahtlos abdecken – auch die Leerlaufzeiten“ – Christine Yildirim

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Christine Yildirim ist INQUA Karriere-Coach aus Hannover

Christine Yildirim fasst das Wesentliche mit wenigen Worten so zusammen: „Die Standards müssen sitzen und Rechtschreibfehler sind zu vermeiden. Ich empfehle, die Kompetenzen, Aufgaben und Erfolge klar herauszustellen. Hier ist darauf zu achten, was die Klient:innen an außerberuflichen Kompetenzen mitbringen: Gibt es ein Ehrenamt, eine Teamsportart, eine besondere Rolle im Rahmen der Freizeitbeschäftigungen, die noch so ‚profan‘ oder selbstverständlich erscheinen mögen? Diese bitte hinzufügen, denn da sind oftmals auch die ‚verborgenen Potenziale‘ drin, die gerne im Vorstellungsgespräch hinterfragt werden. Ein Lebenslauf sollte alles, soweit möglich, nahtlos abdecken – auch die ‚Leerlaufzeiten‘.“

Unterstützung bei der Lebenslauferstellung lohnt sich!

 

Im INQUA Karriere-Coaching werden alle Kunden in sämtlichen Phasen der Lebenslauferstellung – vom Inhalt über das Layout bis hin zu konkreten Beispielen – unterstützt. INQUA bietet hierzu Arbeitsmaterialien und Mustervorlagen an, die es einfacher machen, die eigenen Daten darzustellen. Dazu zählen von INQUA entwickelte, konkrete Lebenslaufbeispiele, an denen sich Klienten orientieren können. Mehr Informationen hierzu finden Sie im Flyer.


Die Interviewten:

INQUA Karriere-Coach Petra Schreiber aus Frankfurt ist Expertin für Karriere-, Image- und Persönlichkeitsentwicklung mit über 25 Jahren Erfahrung als HR-Generalistin und HR-Managerin mit Führungsverantwortung.

INQUA Karriere-Coach Christine Yildirim aus Hannover ist Diplomverwaltungswissenschaftlerin und Lehrbeauftragte an der Leibniz Universität Hannover. Ihre Spezialgebiete: der Umgang mit Veränderungen sowie Begleitung bei Rollenwechseln und Lebensphasenübergängen.

INQUA Karriere-Coach Sylvia Reckel ist Systemische Coach aus Hannover und konzentriert sich als Arbeitswissenschaftlerin auf die Themen Personal und Führung sowie Wandel und Entwicklung von Organisationen.

INQUA Karriere-Coach Dr. Urte Hotje aus Hannover ist promovierte Chemikerin und als Coach der Wirtschaft und Business-Aufstellerin spezialisiert auf die strategische Karriereplanung und berufliche (Neu-)Orientierung.

INQUA Karriere-Coach Johannes Junker hat in Berlin bei INQUA als Head of Communications und Coach eine Doppelfunktion. Als kreativer Prozessbegleiter sorgt er für eine individuelle Ziel- und Visionsentwicklung.

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