Freude am Scheitern

Als ich meine kleine Tochter zum ersten Mal aufs Fahrrad setzte, war mir klar, dass sie in den nächsten Monaten voraussichtlich mehrmals stürzen würde. Das sind Erfahrungswerte von ihren älteren Geschwistern wie auch von mir selbst. Sie hat es bisher gut überstanden. Dass Scheitern dazugehört und sogar Gutes bewirkt, ist die Titelgeschichte von ZEIT Wissen (Nr. 4, 06/07-2013).

Wichtig ist dabei allerdings, die richtige innere Haltung gegenüber Fehlern, Krisen oder Brüchen einzunehmen. In Unternehmen spricht man von einer „gesunden Fehlerkultur“, die in Deutschland nicht immer die Beste ist, sich jedoch allmählich verbessert. Auch persönliche Krisen machen uns stärker und bewusster, wenn wir das „Scheitern richtig machen“. Scheitern bringt uns häufig dazu, überkommene Werte und Verhaltensmuster zu hinterfragen und uns neu auszurichten.

Meine persönlichen Tipps für das erfolgreiche Scheitern:

  1. Verzeihen Sie sich selbst und bitten Sie von ihrem Fehler betroffene Leidtragende um Verzeihung.
  2. Stehen Sie zu Ihrem Fehler.
  3. Falls Sie von heftigen Emotionen wie schlechtem Gewissen, Schuldgefühlen, Wut, Ärger oder Verzweiflung heimgesucht werden: Warten Sie ab! Nach einigen Tagen oder gar Wochen sieht die Welt wie von selbst schon wieder anderes aus.
  4. Konzentrieren Sie sich darauf, was Sie aus dem Scheitern alles lernen können und freuen Sie sich darauf, denselben Fehler nicht wieder zu machen.
  5. Suchen Sie sich ggf. Rat von außen oder professionelle Hilfe, wenn Sie befürchten, den Fehler zu wiederholen.
  6. Zweifeln Sie nicht an Ihren Eigenschaften, sondern an Ihrem (früheren) Verhalten.
  7. Denken Sie an den Psychologen Daniel Gilbert, der nachgewiesen hat, dass seelische Schmerzen kognitive Prozesse auslösen, die den Blick auf die Welt so verändern, dass wir uns besser fühlen.

Achtung: Diese Aufzählung erhebt nicht den Anspruch auf Vollständigkeit! Je nach Herausforderung lassen sich beispielsweise im Coaching weitere und vielleicht noch passendere Strategien finden.

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