10 Top-Tipps für Ihr Bewerbungsgespräch vom Karriere-Coach

Eine Einladung zum Bewerbungsgespräch ist ein Grund zur Freude! Eine große Herausforderung haben Sie bereits gemeistert. Das Unternehmen hat Ihre Unterlagen geprüft und ist von Ihren fachlichen Qualifikationen im Grunde überzeugt. Nun gilt es die Personalentscheider/innen im persönlichen Gespräch gewogen zu stimmen. In unserem zertifizierten Coaching unterstützen unsere erfahrenen Karriere-Coaches täglich Bewerber/innen bei der Vorbereitung auf das entscheidende Bewerbungsgespräch. Unsere 10 Top-Tipps aus unserem Karriere-Coaching haben wir in diesem Artikel für Sie zusammengetragen. So werden Sie definitiv punkten!

von Johannes Junker

  1. Richtige Zielsetzung

Das Ziel ist eigentlich klar: Das Job-Angebot bekommen. Doch gerade diese Fixierung führt bei vielen Menschen zu erhöhtem Druck und Nervosität: „Was, wenn ich etwas Dummes sage und mich blamiere?“ Besser Sie setzen sich konkretere Ziele für das Gespräch, auf die Sie auch Einfluss nehmen können. Im Grunde haben Sie vier Missionen, die es im Bewerbungsgespräch zu erfüllen gilt.

  1. Ihre bisherige Erwerbsbiographie überzeugend präsentieren
  2. Ihre Motivation für die konkrete Stelle glaubwürdig vermitteln
  3. Ihren Mehrwert für das Unternehmen aufzeigen
  4. Ihre sozialen Kompetenzen durch Ihren Auftritt erkennbar machen

Wenn Ihnen diese Missionen gelingen, sind Ihre Chancen auf die angestrebte Stelle exzellent. Ihr Vorteil: Jede Frage, die Sie gestellt bekommen, bietet Ihnen die Möglichkeit an mindestens einer Ihrer Missionen zu arbeiten und diese zu erfüllen.

  1. Der erste Eindruck zählt

Menschen fällen bereits in den ersten Sekunden ein Urteil über Ihr Gegenüber. Nutzen Sie dies zu Ihrem Vorteil. Ein guter erster Eindruck wird Ihnen das Gespräch enorm erleichtern. Zunächst geht es darum, eine gute Gesprächsatmosphäre herzustellen. Dies geschieht meist durch die Vertreter des Unternehmens über typische „Small-Talk“-Themen wie das Wetter, das Hotel oder Fragen wie: „Haben Sie gut hergefunden?“ oder „Waren Sie vorher schon einmal zu Besuch in Hamburg?“ Nutzen Sie diesen ersten Austausch bereits, um Ihre Persönlichkeit zu zeigen und denken Sie an Ihre Missionen (siehe Punkt 1).

Sind z.B. Pünktlichkeit und Gewissenhaftigkeit wichtige Soft-Skills für die Stelle? Dann bauen Sie kleine Nachrichten in Ihre Small-Talk-Antworten ein. Zum Beispiel: „Ja, es ist mein erster Besuch in Hamburg. Ich bin schon gestern angereist, weil ich vor wichtigen Terminen gerne etwas früher vor Ort bin. Da hatte ich schon die Gelegenheit mir die Umgebung anzuschauen.“ Übertreiben sollten Sie dieses Spiel allerdings nicht so weit, dass es aufgesetzt wirkt. Achten Sie auch darauf, Ihre Gesprächspartner/innen nicht verbal zu überrollen.

  1. Hypothesen bilden & Fragen im Rollenspiel einüben

Formulieren Sie vorab eine Liste möglicher Fragen und sparen Sie die unangenehmen nicht aus. Es wird Ihnen Sicherheit geben, gute Antworten auf knifflige Fragen parat zu haben. Weiter empfiehlt es sich die Fragen im Rollenspiel zu üben und verschiedene Antworten auszuprobieren. In unserem Karriere-Coaching gehört diese Übung zum Curriculum. Wenn Sie keinen Coach haben, können Sie auch eine/n Freund/in um Hilfe bitten und/oder vor dem Spiegel üben. Bilden Sie nun Hypothesen und überlegen Sie bei der Suche nach Antworten, welchen Eindruck die Personalentscheider/innen bei Ihrer konkreten Antwort gewinnen könnten. Dazu ein Beispiel:

  • Frage Personaler/in: „Was hat Sie bei Ihrem letzten Job am meisten geärgert?“

 Mögliche Antwort A: „Meine Kollegen waren manchmal so anstrengend und unsensibel. Manchmal bin ich mit etwas Bauchschmerzen zur Arbeit gekommen.“

Dies ist natürlich eine katastrophale Antwort. So wird der/die Personalentscheider/in vermutlich denken, dass der/die Kandidat/in vermutlich wenig teamfähig ist und Ärger einbringen wird.

Mögliche Antwort B: „Wir hatten im Team ein wichtiges Projekt, für das ich mich persönlich sehr eingesetzt habe. Kurz vor der entscheidenden Präsentation habe ich mich schwer am Bein verletzt und konnte nicht teilnehmen. Das war frustrierend für mich.“

Viel besser! Die Antwort vermittelt: Diese/r Bewerber/in ist sportlich, engagiert, und zeigt sich teamorientiert. So können Sie Ihren Mehrwert für das Unternehmen aufzeigen und Ihre sozialen Kompetenzen zum Vorschein bringen.

Auf diese Weise können Sie sich vorab auf alle Fragen vorbereiten, die Sie im Gespräch erwarten oder die Ihnen Bauchschmerzen bereiten.

  1. Die innere Haltung muss stimmen

Es sollte bei einem Vorstellungsgespräch nicht nur darum gehen, ob das Unternehmen Sie anstellen möchte. Genauso wichtig ist die Frage, ob Sie auch für das Unternehmen tätig sein wollen. Dies bedeutet nicht überheblich aufzutreten, sondern gesundes Selbstbewusstsein zu zeigen. Diese Haltung vermitteln Sie nicht allein, indem Sie erzählen, welche Erfolge Sie vorzuweisen haben, sondern in dem Sie fundierte, sinnvolle und berechtigte Fragen zum Unternehmen und zu Ihrer künftigen Aufgabe stellen.

Mit solchen Fragen signalisieren Sie Interesse an der Stelle und am Unternehmen. Gleichzeitig können Sie hier noch einmal unterstreichen, dass Sie mitdenken und Eigeninitiative zeigen.

Hier einige Beispiele:

„Wo läge mein Aufgabenschwerpunkt und wie viel Flexibilität in der Aufgabengestaltung würde die Rolle beinhalten?“

„Welche Aufstiegschancen sind mit der Stelle verbunden?“

„Wie sähe eine mögliche Entwicklung in den nächsten zwei und in den nächsten fünf Jahren aus?“

„Ich würde gerne ein wenig mehr über meine möglichen zukünftigen Kolleginnen und Kollegen sowie das Team erfahren. Mich interessiert bspw. wie groß das Team ist und wie es sich zusammensetzt (fachlicher Hintergrund, Diversity, Altersverteilung etc.) und wo meine Position im Organigramm wäre.“

Bonus-Tipp: Bereiten Sie solche Fragen schriftlich vor. Nehmen Sie Papier und Stift mit in das Gespräch. Schreiben Sie die Antworten auf Ihre Fragen stichwortartig mit. Man wird Sie für Ihre Gewissenhaftigkeit schätzen!

  1. Berufsbiographie – Was ist für die Stelle wirklich relevant?

Wenn es um die eigene berufliche Vita geht, neigen Bewerber/innen im schlimmsten Fall dazu Ihre ganze Lebensgeschichte vorzutragen. Es ist ratsam sich auf die Punkte der Berufsbiographie zu konzentrieren, die für die Stelle tatsächlich relevant sind.

Dazu ein Beispiel: Ein/e Vertriebsleiter/in wird gesucht, mit mehreren Jahren Berufserfahrung im Bereich erneuerbare Energien, der/die über Teamfähigkeit, interkulturelle Kompetenz und Flexibilität verfügt, der/die im Team Angebote entwickelt und diese international vertreibt. Die Kandidatin könnte auf die Frage nach ihrem Werdegang wie folgt antworten:

„Ich habe schon als kleines Mädchen mit meinem Vater Windräder aus Kunststoff gebaut und war sehr technikinteressiert. Mein Vater war als Entwicklungsingenieur immer auf dem neusten Stand der Technik und hat mich mit seiner Begeisterung angesteckt. Schon in jungen Jahren hatte ich das Glück viele Reisen unternehmen zu können. Mit 12 habe ich ein halbes Jahr in Südafrika verbracht. Noch während meines Studiums der Verfahrenstechnik habe ich ein zehnmonatiges Praktikum in Lateinamerika bei einem großen Energiekonzern absolviert. Hier habe ich einen ersten Einblick gewonnen, wie Vertrieb funktioniert. Soll ich hierzu etwas mehr erzählen?“

Die Antwort überzeugt, weil sich die Kandidatin die gesuchten Kompetenzen über ihren Werdegang glaubhaft zuschrieben kann. Konzentrieren Sie sich auf die wichtigsten Stationen Ihrer Erwerbsbiographie, beschreiben Sie, warum Sie bestimmte Berufe und Studien gewählt haben bzw. was Sie daran attraktiv fanden und schließen Sie mit einem Ausblick, wohin oder wonach Sie streben.

  1. Motivation glaubhaft vermitteln = Gründliche Recherche

Ihre Motivation ist ein weiterer entscheidender Faktor für die Bewerbung. Als Indikator Ihrer Motivation wird gerne beobachtet, inwieweit Sie sich mit dem Unternehmen beschäftigt haben. Typische Fragen, um Ihre Motivation zu erkennen:

„Warum wollen Sie hier arbeiten?“

„Was hat Sie an unserem Stellenangebot besonders angesprochen?“

„Was wissen Sie über unser Unternehmen?“

„Wo sehen Sie die größten Herausforderungen für unser Unternehmen in den nächsten Jahren?“

„Wer sind unsere größten Konkurrenten am Markt?“

Nun können Sie zeigen, dass Sie Ihre Hausaufgaben gemacht haben! Eine gründliche Online-Recherche kann Wunder wirken. Schauen Sie sich die Webseite des Unternehmens sowie die letzten Pressemitteilungen und die Social-Media-Kanäle an. Recherchieren Sie den Markt, vergleichen Sie das Unternehmen mit der Konkurrenz und finden Sie heraus, was den potentiellen Arbeitgeber von dieser unterscheidet. Zwischen den Zeilen zu lesen ist hier die große Kunst. Wenn Sie Unterstützung benötigen, tauschen Sie sich mit einem/einer Bekannten aus, der/die sich in der Branche auskennt.

  1. Fachliche und soziale Kompetenzen vermitteln

Grundsätzlich können Sie beim Bewerbungsgespräch davon ausgehen, dass die Interviewer von Ihren fachlichen Kompetenzen bereits weitestgehend überzeugt sind, sonst wären Sie nicht eingeladen worden. Zudem können fachliche Wissenslücken geschlossen werden (sofern sie nicht zu groß sind). Möglicherweise geht es noch darum, Ihre Angaben punktuell zu überprüfen und ggf. kleine Zweifel auszuräumen. Hierzu werden sogenannte situative Fragen eingesetzt: „Angenommen… [Situation oder Herausforderung, die sich aus den Aufgaben der Stelle ableiten lässt], wie würden Sie in diesem Fall vorgehen?“.

Wichtig sind Ihre sozialen Kompetenzen – wie gut Sie mit Ihrer Persönlichkeit ins Team passen, wie überzeugend Sie bestimmte Sachverhalte darstellen und wie gekonnt und einnehmend Sie mit Kunden kommunizieren können. Die Wichtigkeit der sozialen Kompetenzen hängt von den Aufgaben oder der Teamkonstellation ab. Je mehr Kommunikation und je mehr Kundenkontakt notwendig ist, je größer die Führungsaufgaben – desto wichtiger die sozialen Kompetenzen. Manchmal werden Bewerber/innen eingeladen, zu einem bestimmten Thema eine Präsentation abzuhalten. Dies ist eine gute Möglichkeit, Ihre fachlichen und sozialen Kompetenzen zu zeigen.

Hier sind typische Fragen:

„Was bedeutet Teamarbeit für Sie?“

„Wie gehen Sie mit Kritik um?“

„Wie gehen Sie mit Konflikten um?“

„Was würden Ihre ehemaligen Vorgesetzten/Kollegen über Sie erzählen?“

„Wie beschreiben Sie Ihren Führungsstil?“

„Was verstehen Sie unter guter Führung?“

Nutzen Sie die Methode der Hypothesenbildung aus Punkt 3 und Sie werden eine gute Figur machen. Wenn Sie hier unsicher sind, lohnt es sich ein Karriere-Coaching in Anspruch zu nehmen.

  1. Was Sie nicht sagen müssen

Fragen zu Ihrem persönlichen Hintergrund, Schwangerschaft und Familienplanung müssen Sie nicht beantworten. Fragen nach Gesundheit müssen nur beantwortet werden, wenn der gesundheitliche Zustand für die konkrete Stelle von Bedeutung ist. Wägen Sie ab, was Sie erzählen wollen und was Sie lieber für sich behalten. Am Ende sollten Sie nur Preis geben, was Sie auch teilen möchten. Manche Fragen ermöglichen Ihrem Gegenüber, sich ein vollständigeres Bild Ihrer Person zu machen.

Mögliche Fragen:

„Was machen Sie in Ihrer Freizeit? Welche Interessen, welche Hobbys haben Sie?“

„Welche Sportarten betreiben Sie?“

„Was sagt Ihr/e Lebenspartner/in zu Ihren Plänen?“

„Gibt es Bereiche, in denen Sie sich besonders engagieren?“ (z.B. Ehrenamt)

  1. Knackpunkt Gehalt: Auf das Gesamtpaket achten

Hier ist die Vorbereitung essentiell. Sie sollten eine Vorstellung davon haben, was branchenüblich in der Region für diese Stelle für jemanden mit Ihrer Erfahrung gezahlt wird. Beachten Sie immer auch das Gesamtpaket: Wie viele Urlaubstage/Weiterbildungstage bekommen Sie? Wie sieht es mit betrieblicher Altersvorsorge, Gesundheitsvorsorge, Dienstwagen/Ticket ÖPNV aus.

Wenn Sie nach Ihrer Gehaltsvorstellung gefragt werden, nennen Sie einen Betrag, der gut und angemessen ist und den Sie argumentieren können. Typische Fehler in der Gehaltsverhandlung sind einen Bereich oder das persönliche Minimum zu nennen. Wenn Sie aufgefordert werden eine konkrete Summe zu nennen, ist Verhandlungsgeschick und Menschenkenntnis gefragt. Nennen Sie im Zweifel eine Summe 5-10% über dem Bruttojahresgehalt, dass Sie guten Gewissens akzeptieren würden. So geben Sie sich selbst und Ihrem Gegenüber noch etwas Verhandlungsspielraum.

  1. Der richtige Abschluss

Eine Entscheidung werden Sie vermutlich nicht sofort mitgeteilt bekommen. Sie können allerdings fragen, bis wann Sie etwas vom Unternehmen hören werden. Das kann -je nach Organisation- manchmal auch länger dauern. Hier gilt: Zeigen Sie Verständnis und drängen Sie nicht auf eine schnellere Rückmeldung. Bonus-Tipp: Manchmal lädt eine sehr freundliche Atmosphäre dazu ein, sich zu „leger“ zu verhalten. Kommunizieren Sie unbedingt bis zum Schluss professionell und halten Sie die Spannung hoch.

Viel Erfolg!

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